#bdsvorort: Frage von Ortsverband – Antwort von BDS-Präsidenten

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Antje Wiedmer, Burgrieden-Achstetten, Selbständige im Bereich Handwerk & Mutter; Uli Kächele, Kirchheim/Teck, Selbständiger im Bereich Autohaus; Manuela Strauss, Owen/Teck, Selbständige im Bereich Kosmetik

In unserer neuen Rubrik #bdsvorort können BDS-Ortsverbände Stimmungsbilder zur Lage vor Ort schildern. Dabei beantworten Bettina Schmauder und Jan Dietz, beide Präsidenten des BDS Baden-Württemberg, persönliche Fragen von BDS-Mitgliedern. Senden auch Sie uns Ihr Stimmungsbild zum Veröffentlichen.

Manuela Strauss, Owen/Teck, Selbständige im Bereich Kosmetik: Hallo Zusammen, ganz ehrlich meine Stimmung ist sehr getrübt und ich überlege mir, ob ich Kosmetik in Zukunft noch anbieten kann. Nach dem Arbeitsverbot seit November durfte ich ab 8. März wieder meine Kosmetik und Wellnessbehandlungen anbieten. Frohen Mutes habe ich Termine mit meinen wartenden Kunden ausgemacht und nach 1,5 Wochen musste ich alle wieder absagen. Ich habe für 1800 Euro Kabinenware im Februar entsorgt, habe jetzt einige wieder frisch geöffnet und jetzt? Muss ich diese auch wieder entsorgen?

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Liebe Frau Strauss, wir verstehen Sie und Ihre Situation sehr gut. Teure Ware entsorgen zu müssen ist für gerade für Selbständige, für kleine und mittlere Betriebe unzumutbar. Hinzu kommt diese ganze Ungewissheit. Nichts ist richtig planbar. Wir bedauern das alles. Was bewegt Sie momentan zudem besonders?

Manuela Strauss, Owen/Teck, Selbständige im Bereich Kosmetik: Was mich dringend interessiert ist: Weshalb wird zwei Wochen ein negativer Schnelltest akzeptiert und dann wieder nicht? Negativ ist doch negativ oder? Ich habe kein Verständnis für unlogische Handlungen. Gibt es auch nur einen Politiker der schon mal eine Firma geführt hat?

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Diese Fragen und der verständliche Frust darüber sind berechtigt. Wir als BDS-Landesverband nehmen uns als Stimme des Mittelstands dieser Sache an. So kann und darf es nicht weitergehen. Liebe Frau Strauss, vielen Dank für Ihren wichtigen Beitrag.

Uli Kächele, Kirchheim/Teck, Selbständiger im Bereich Autohaus: Hallo, Team BDS-Landesverband, als Autohaus mit dem Fokus auf dem Handel sind wir natürlich massivst durch die Sanktionen der Corona-Verordnungen betroffen und fordern/wünschen schon lange innovative Konzepte, um den seriösen und nahezu risikofreien Autohandel wieder zu ermöglichen.

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Lieber Herr Kächele, da sprechen Sie ein wichtiges Thema an. Autohandel bzw. Handel betrifft viele unserer BDS-Mitglieder. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage dazu?

Uli Kächele, Kirchheim/Teck, Selbständiger im Bereich Autohaus: Zur aktuellen Lage aus unserer Sicht: Warum wir als Autohaus in Kirchheim nicht öffnen dürfen, beispielsweise der Autohandel in Thüringen aber vollumfänglich geöffnet ist, erschließt sich uns nicht. Noch viel weniger nachvollziehbar ist dieses Verbot, da wir mit einer Kundenfrequenz von durchschnittlich unter 10 Parteien am Tag in Kombination mit einer Ausstellungshalle/Bürofläche von weit über 700 Quadratmeter plus einer Freifläche im Außenbereich von ungefähr 2.000 Quadratmetern sicherlich KEIN nennenswertes Infektionsrisiko darstellen. Eine eigentlich allen Verordnungen zugrundeliegende Verhältnismäßigkeit können wir absolut nicht erkennen.

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Ja, das ist ärgerlich. Eine Verhältnismäßigkeit vermissen wir auch. Die Politik sollte mehr auf Einzelfallbetrachtung setzen als nahezu blinde Generalentscheidungen den Unternehmen aufzudrücken. Viele Selbständige habe vorbildliche Hygiene- und Abstandskonzepte vorzuweisen.

Uli Kächele, Kirchheim/Teck, Selbständiger im Bereich Autohaus: Wenn ich sehe, was im Einkaufs-Center in Kirchheim generell und erst im Nicht-Lebensmittelbereich los ist, bzw. welche Zustände auf den Großbaustellen hier in Kirchheim herrschen, dass Flüge nach Mallorca rechtlich in Ordnung sind (kein Verbot durch die Corona-VO/Regierung) und die Enge in Bus und Bahn scheinbar auch keine Gefahr darstellen, warum ist dann nach 12 Monaten Corona-Erfahrung hier keine Differenzierung möglich?

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Eine solche Differenzierung ist zwingend erforderlich. So kann es nicht weitergehen. Dieser Umgang gerade mit unseren Selbständigen, dem Mittelstand, dem Rückgrat unserer Gesellschaft ist absolut inakzeptabel.

Uli Kächele, Kirchheim/Teck, Selbständiger im Bereich Autohaus: Die Investitionen in Schutzmaßnahmen, Hygieneartikel, Luftfilter usw. belaufen sich bei uns auf mehrere tausend Euro und wurden ohne jegliche Förderung als unser Zutun für einen sicheren Handelsplatz für Mitarbeiter und Kunden investiert. Rein auf die Möglichkeit zur Öffnung unserer Geschäftsräume gesehen eine absolute Fehlinvestition!

Dass die letzte MPK „handwerklich” ein Offenbarungseid war, ist unbestritten. Dass dies aber offiziell erkannt wird und korrigiert wurde, das ist aus meiner Sicht das einzigst Positive an diesem Vorgang. Diese Courage bin ich aus der Politik nicht gewohnt, siehe beispielsweise Mautversagen und Schuldabweisungen unseres noch immer im Amt befindlichen Verkehrsministers. Der Vorgang an sich zeigt aber auf, dass es an politischem Geschick und Kreativität in Bund und Land fehlt.

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Deshalb ist es auch so wichtig, dass Sie, lieber Herr Kächele, uns direkt Ihre Meinung schildern. Wir sind Ihre Stimme, die Stimme der Selbständigen in Bund und Land. Politikern fehlt es offenbar immer noch zu häufig an nötigem Geschick und an innovativer Kreativität – gerade in diesen schweren und herausfordernden Corona-Pandemie-Zeiten.

Uli Kächele, Kirchheim/Teck, Selbständiger im Bereich Autohaus: Es geht aber auch anders! Bezüglich Politikversagens sehe ich auch das abweisende, zurückhaltende wie auch hinter angeblichen Vorschriften sich versteckende Verhalten im Kreis und Stadt als wesentliches Problem. Hier wären innovative Konzepte und Versuchsstrategien nach 12 Monaten Corona-Erfahrung gefordert gewesen. Herr Palmer in Tübingen lebt es doch vor, dass man etwas bewegen kann. Macher und rational denkende Entscheider sind jetzt gefragt – keine Verhinderer!

Erfreut haben wir nun die Information der geplanten und sehnlichst erwarteten Corona-Teststrategie für Kirchheim vernommen. Wir bleiben gespannt, wie lange die Umsetzung bis zum Start dauert. Im Juni/Juli 2021 ist das Konzept hoffentlich hinfällig. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Gerne, vielen Dank. Als BDS-Landesverband liegen uns die Nöte unserer Mitglieder am Herzen. Es war richtig, dass Sie sich an uns gewandt haben. Wir nehmen Ihre Sorgen sehr ernst.

Antje Wiedmer, Burgrieden-Achstetten, Selbständige im Bereich Handwerk & Mutter: Liebe Frau Schmauder, lieber Herr Dietz, ich bin Vorstand im Gewerbeverein Burgrieden-Achstetten. Sie haben ja in den letzten Wochen und Monaten im Rahmen der Neuordnung des Landesverbands unter anderem darum gebeten, dass wir uns einbringen, damit Sie unsere Sorgen und Nöte sammeln und an entsprechender Stelle anbringen und einwirken können.

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Genau, liebe Frau Wiedmer, und wir freuen uns, dass Sie dieses Angebot wahrnehmen. Als Dachverband und Stimme der baden-württembergischen Handels- und Gewerbevereine sind wir für unsere Selbständigen da. Wir sind Ihre Stimme in Politik, Wirtschaft und darüber hinaus. Was beschäftigt Sie momentan insbesondere?

Antje Wiedmer, Burgrieden-Achstetten, Selbständige im Bereich Handwerk & Mutter: Neben unserem Job als Aushilfslehrer (vor allem für unser Grundschulkind) führen mein Mann und ich eine kleine Zimmerei (drei Gesellen und zwei Azubis).

Ab nächster Woche soll dann unser Grundschulkind wieder in den Regelbetrieb gehen und unsere 6. Klässlerin ebenfalls (laut dem Kultusministerium ohne formales Abstandsgebot). Und genau an diesem Punkt bleibt die Entscheidung, ob unsere Kinder nächste Woche wieder die Schule besuchen, keine private Entscheidung mehr, sondern wird zu einer unternehmerischen. Mein Mann muss aktuell mit auf die Baustelle, weil wir massiv im Verzug sind. Wir können uns eine weitere Quarantäne, ausgelöst durch einen Infektionsfall in den Klassen der Kinder, schlicht und einfach nicht leisten.

Wie stellen sich die Politiker das vor bei Familien mit mehr als einem Kind? Erst sind wir z.B. wegen des einen Kindes in Quarantäne, dann wegen des anderen? Und am Ende leiden auch wieder die Eltern und Kinder darunter. Denn die Eltern sind Unternehmer und Arbeitgeber. Der Druck, Aufträge nicht erfüllen zu können oder die Kollegen immer „im Stich“ zu lassen, ist nicht unerheblich.

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Stimmt, Eltern leiden als Unternehmer und Arbeitgeber in dieser Corona-Politik heftig. Wir als BDS-Landesverband möchten auch diese Position noch stärker bei Politikern thematisieren.

Antje Wiedmer, Burgrieden-Achstetten, Selbständige im Bereich Handwerk & Mutter: Als Unternehmer wurde an uns appelliert, unseren Mitarbeitern mindestens einmal pro Woche Tests anzubieten. Wir haben auch schon welche besorgt. Allerdings bestehen dabei folgende Probleme:

1. Als Arbeitgeber darf ich die Tests nur anbieten, nicht aber anweisen. Wenn die Mitarbeiter sich weigern, dann wird nicht getestet.

2. Einmal in der Woche testen reicht bei der aktuellen Verbreitung der Mutationen nach wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht aus. Es sollte mindestens zwei, eher drei Mal pro Woche getestet werden.

3. Auch nicht unerheblich: Wer übernimmt dafür die Kosten?

4. Und selbst wenn unsere Mitarbeiter einverstanden sind und wir sie jeden Tag vor Arbeitsbeginn testen lassen, müsste der Mitarbeiter dennoch in Quarantäne, wenn ein Fall mit der Mutation
in der Klasse oder Kindergartengruppe seines Kindes auftaucht.
Also aus Unternehmersicht aller Aufwand umsonst.

Die Entscheidung, die Schulen zu öffnen, kann nicht losgelöst vom Rest des gesellschaftlichen Lebens getroffen werden. Genauso können nicht Unternehmen nicht zu flächendeckenden Tests aufgefordert werden, wenn sie am Ende doch unter den Quarantäneanordnungen bedingt durch das unüberlegte Öffnen der Schulen und Kindertagesstätten zu leiden haben.

BDS-Präsidenten Schmauder & Dietz: Wir sehen das auch so: Die Politik muss viel stärker die Unternehmer berücksichtigen. Und beispielsweise schulische Quarantäneanordnungen greifen zu sehr in das Unternehmen von Eltern ein. Das darf so nicht sein. Auch an diesem Punkt muss die Politik dringend arbeiten und endlich Lösungen liefern. Vielen Dank für Ihr Stimmungsbild.

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