BDS-Stimmungsbarometer Herbst 2022: Schlechte Noten für Landes- und Bundesregierung

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Wirtschaftliche Aussichten anhaltend pessimistisch – Unzufriedenheit über Politik wächst weiter

Um die allgemeine Stimmung der Unternehmer und Unternehmerinnen und Selbständigen im Land, deren aktuelle Situation und Zukunftsaussichten beurteilen zu können, führt der Bund der Selbständigen Baden-Württemberg halbjährlich eine Umfrage bei seinen Mitgliedern durch.

Für die aktuell durchgeführte Herbstumfrage* wurden neben allgemeinen Fragen zur wirtschaftlichen und politischen Situation wiederum die Energiepreise und deren Auswirkungen abgefragt.

Wirtschaftliche Lage

Gesamt betrachtet blicken die teilnehmenden BDS-Mitglieder äußerst pessimistisch auf die aktuelle wirtschaftliche Lage. Vor allem die Bewertung für Deutschland hat sich gegenüber dem Frühjahr deutlich verschlechtert (57% vs. 41%). Ebenso sehen 75 Prozent eine Verschlechterung der Geschäftserwartungen für Deutschland in den kommenden sechs Monaten.

Hingegen hat sich die Bewertung der eigenen aktuellen Geschäftslage im Gegensatz zur Frühjahrsumfrage nur geringfügig verändert. Lediglich 18 Prozent der Teilnehmenden (Frühjahr 14%) beurteilen diese als schlecht. Der Ausblick auf das nächste halbe Jahr wird dagegen noch kritischer gesehen. 44 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus (Frühjahr 33%). Nur noch 10 Prozent sehen eine Verbesserung in den kommenden sechs Monaten. Bei der Fragen nach den geplanten Investitionen für die nächsten zwölf Monate gibt inzwischen die Hälfte an, dass diese sinken werden (Frühjahr 38%).

Weiterhin starke Belastung durch Energiepreise

Nicht überraschend sind die Angaben zu den Auswirkungen durch die gestiegenen Energiekosten: Mehr als 50 Prozent sehen eine sehr starke bis starke Belastung für ihr Unternehmen durch die aktuellen Energiepreise. Für rund ein Drittel ist die Belastung gleichgeblieben. Deutlich wird das durch die Steigerungsrate der Energiekosten in den letzten sechs Monaten. Über 35 Prozent gaben eine Erhöhung von bis zu 25% an, bei mehr als ein Viertel der Unternehmen stiegen die Energiekosten zwischen 26%-50%. Und eine Verteuerung um 50% ihrer Energiekosten verzeichnen immerhin noch 11 Prozent der Betriebe.

Bürokratieabbau bleibt weiterhin die dringendste Forderung

Weiterhin geben 58 Prozent der Teilnehmenden den Bürokratieabbau als dringendstes politisches Thema an, gefolgt von der Entlastung bei den Energiepreisen (55%) und der Bekämpfung der Inflation (53%). Hier hat sich gegenüber der Frühjahrsumfrage keine signifikante Änderung ergeben.

Jedoch wird deutlich, dass die Unternehmen mehr Planbarkeit und eine konkrete Weichenstellung für die Zukunft wünschen. Maßnahmen und Unterstützung sollen langfristig wirken und nicht nur kurz gedacht sein.

Selbständige enttäuscht von Landes- und Bundesregierung

Bei der Bewertung der Arbeit von Bundesregierung, Landesregierung und kommunaler Verwaltung zeigt sich, dass die Politik mit ihrer aktuellen Arbeit die kleinen und mittleren Unternehmen absolut nicht überzeugen können. Die vergebenen Schulnoten sind gegenüber dem Frühjahr deutlich schlechter ausgefallen. Inzwischen erhält die Bundesregierung eine 4,8 (Frühjahr 4,1) und die Landesregierung eine 4,3 (Frühjahr 3,8) für ihre Arbeit. Die kommunale Verwaltung bleibt mit 3,6 gegenüber 3,4 noch im Rahmen. Vor allem die Bewertung er bisherigen Maßnahmen in der Energie- und Gaskrise seitens der Bundesregierung kommen bei einem Großteil der BDS-Mitglieder nicht an. Und auch die Landesregierung kann nicht punkten.

„Das Stimmungsbarometer zeigt uns, dass die Enttäuschung bei den Unternehmern und Selbständigen groß ist bzw. weiter anhält“, so Bettina Schmauder, Präsidentin des BDS Baden-Württemberg. „Unsere Mitglieder beklagen die fehlende Unterstützung durch die Politik. Das äußerst sich nicht nur in deren schlechten Bewertung, sondern auch in den weiter dringendsten Forderungen nach Erleichterungen und Unterstützungen – sei es der Bürokratieabbau, beim Thema Fachkräftemangel oder der Bekämpfung der Inflation. Hier braucht es eine zukunftsgerichtete Perspektive, die beispielsweise durch einen von Verbänden geforderten Zukunftskonvent gemeinsam erarbeitet werden könnte.“

Der BDS-Landesverband geht daher weiter in die Gespräche mit den politischen Vertretern, um die Existenz seiner Mitglieder und des Mittelstandes in Baden-Württemberg zu sichern.

*BDS-Stimmungsbarometer: Zeitraum vom 07.11. – 16.11.2022, 259 Teilnehmer

Unsere Pressemitteilung als PDF zum Download hier > >

Weitere Informationen:
Der Bund der Selbständigen Baden-Württemberg e.V. (BDS) ist der Dachverband und die Stimme von vielen Handels- und Gewerbevereinen im Land. Dieser Wirtschaftsverband besteht seit fast 170 Jahren. Weitere Informationen zum BDS-Landesverband finden Sie unter www.bds-bw.de.

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