Interview mit SWR-Moderator Jürgen Hörig

330
Landesschau-Moderator Jürgen Hörig im Studio, Foto: SWR/Alexander Kluge

Selbständiger in „Coaching, Training, Moderation“

BDS: Was lässt einen Menschen Ihrem Eindruck nach erfolgreich sein?

Jürgen Hörig: Erfolg macht sich m.E. an vielen Dingen fest: An den vier A ́s zum Beispiel: Ausstrahlung, Auftreten, Ausbildung, Anderssein. Wer da weit vorne ist, der hat zumindest mal die Chance auf mehr Erfolg. So wie ihn unsere Gesellschaft zumeist definiert. Aber es stellt sich ja grundsätzlich die Frage, woran sich Erfolg festmacht. Wer sagt, was „Erfolg“ ist? Ist es das Geld, ist es Status, ist es die obere Sprosse einer Karriereleiter? Oder ist es innere Zufriedenheit, Glück, Ausgeglichenheit? Puh, ein weites Feld. Inzwischen denke ich: Nur, wer die Balance schafft, lebt erfolgreich.

BDS: Sie engagieren sich sozial für Ihr Herzensprojekt – die Kinder-Nachsorgeklinik in Tannheim/Schwarzwald: Wie sind Sie darauf gekommen?

Jürgen Hörig: Ich wurde vor vielen Jahren auf die Klinik aufmerksam. Ich war damals schon beim Fernsehen und wurde konkret gefragt, ob ich nicht Lust hätte, im Kuratorium der Klinik mitzuwirken und auch den Vorsitz eines neuzugründenden Fördervereins zu übernehmen. Also haben wir den Verein gegründet, und seitdem sammle ich Geld für die Klinik, stelle meinen Namen, mein Gesicht und mein Engagement der Klinik zur Verfügung.


BDS: Sie sind u.a. auch als Singer und Songwriter aktiv. Man kann Sie beispielsweise buchen und somit Ihr Herzensprojekt unterstützen, da Sie viel direkt an die Klinik spenden. Gibt es vielleicht ein Beispiel, wozu konkret Ihre Spenden an die Kinder-Nachsorgeklinik in Tannheim/Schwarzwald schon „verholfen“ haben?

Jürgen Hörig: Ja klar, wir haben im Vorstand von Beginn an ein konkretes Ziel verfolgt: den Auf- und Ausbau der Reittherapie für die kranken Kinder. Wir bezahlen Reitpferde, die Ausbildung zum Therapiepferd, haben eine Koppel auf den Weg gebracht, haben geholfen, die Sparda-Bank zum Bau einer tollen Reithalle zu überreden (lacht). Es ist ein konkretes Projekt, das jeder sehen kann. Das war unswichtig, damit unsere Mitglieder, von denen das Geld kommt, auch genau sehen, was wir damit machen. Inzwischen sind weit über 500 000 Euro zusammengekommen. Das finde ich super, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir uns nur aus Mitgliedsbeiträgen finanzieren – und natürlich die Extra-Aktionen, bei denen unsere Mitglieder oder auch wir vom Vorstand Geld sammeln.

BDS: Sie haben auch vielseitige Erfahrungen als Selbständiger im Bereich „Coaching, Training, Moderation“ – wie Sie beispielsweise auf Ihrer Homepage www.juergenhoerig.de beschreiben. Daher kennen Sie auch die Perspektive von Selbständigen. Was meinen Sie, mit welchen Worten könnten wir vielleicht Unternehmern/Selbständigen „Mut machen“, sich auch für einen guten Zweck zu engagieren?

Jürgen Hörig: Es macht uns erst zu einem kompletten Menschen, finde ich. Wer nur „Ich“ denkt, und nur so handelt, der verpasst etwas ganz Entscheidendes. Das Glück im „Wir“. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und gerade in diesen Zeiten, wo offenbar Spalter, Hetzer und Polemiker wieder Oberwasser bekommen, da brauchen wir das „Miteinander“. Ich würde bei der Auswahl einer Firma, mit der ich zusammenarbeite, immer darauf achten, ob da eine soziale Komponente dahintersteckt. Und wenn das viele andere auch machen, dann ergibt sich daraus ja sogar ein Merkmal für Erfolg. Damit wären wir wieder bei der Eingangsfrage!


BDS: Haben Sie Vorbilder? Welche?

Jürgen Hörig: Meine Omi. Sie war streng und gütig. Sie hat geliebt und geführt. Erzogen. Und dennoch habe ich mich immer frei gefühlt. Wir sollten wieder mehr solcher „Omis“ in den Familien haben.

Vorheriger ArtikelTheresa Matz – die wohl jüngste Vorsitzende eines BDS-Gewerbevereins in BW
Nächster ArtikelBDS begrüßt Bundesratsinitiative zur Anhebung der Freigrenze für Vereine auf 45.000 Euro