Unsere Halbjahresumfrage unter den Mitgliedsbetrieben zeigt ein klares Bild: Die Unternehmen im Land blicken so pessimistisch nach vorn wie seit Langem nicht. Und die geplante Minijob-Reform trifft sie an einer empfindlichen Stelle.
Ein Jahr macht einen Unterschied. Im Sommer 2025 hofften noch fast ein Viertel unserer Mitglieder auf eine bessere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Heute sind es nur noch sieben Prozent. Gleichzeitig rechnen 63 Prozent mit einer weiteren Verschlechterung. Vor einem Jahr waren es 37 Prozent. Das ist die größte Veränderung in der gesamten Umfrage, und sie sagt mehr über die Lage aus als jede einzelne Konjunkturzahl.
Diese Erwartung bleibt nicht im Kopf. Sie wird zu Entscheidungen. Wer nicht an einen Aufschwung glaubt, investiert nicht und stellt niemanden ein. Genau das sehen wir in den Antworten.
Investitionen und Personal auf dem Rückzug
nur 8 % der Betriebe wollen ihre Investitionen erhöhen (2025: 19 %)
42 % planen sinkende Investitionen (2025: 29 %)
nur 6 % erwarten mehr Personal in den nächsten Monaten (2025: 19 %)
22 % rechnen mit weniger Personal (2025: 12 %)
Auch bei den Löhnen wird gebremst. Nur noch jeder fünfte Betrieb plant Lohnerhöhungen, vor einem Jahr war es fast jeder dritte. Der Fachkräftemangel ist dabei nicht verschwunden. Qualifizierte Leute zu finden, bleibt für 68 Prozent schwierig, exakt wie 2025. Das Problem steht nur nicht mehr im Vordergrund, weil ein anderes es überlagert: die fehlende Nachfrage.
Was die Betriebe am stärksten drückt
Auf Platz eins der größten Belastungen steht unverändert die Bürokratie, genannt von 69 Prozent. Deutlich nach oben geschoben haben sich die Energiekosten (von 23 auf 34 Prozent) und die Abgabenlast (von 28 auf 36 Prozent). Das passt zusammen: Wenn der Umsatz schwächelt, wiegen feste Kosten schwerer.
Beim Blick auf die Politik trifft der Unmut vor allem die Landesebene. Ein Mangelhaft oder Ungenügend für die Landesregierung vergeben inzwischen 38 Prozent, nach 29 Prozent im Vorjahr. Und die Anstrengungen beim Bürokratieabbau halten 82 Prozent für schlecht. Dieser Wert bewegt sich seit Jahren kaum. Die Betriebe warten auf Entlastung, die angekündigt wird, aber nur schleppend kommt.
Minijob-Reform: nicht die Idee ist das Problem, sondern der Weg
In diese angespannte Lage fällt die geplante Reform der Minijobs. 68 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe beschäftigen Minijobber. Für mehr als die Hälfte sind diese Kräfte nicht Beiwerk, sondern für den Betrieb unverzichtbar.
Wir sagen klar: Über die Alterssicherung geringfügig Beschäftigter zu reden, ist berechtigt. Altersarmut hilft niemandem. Eine Reform ist nicht per se schlecht. Was die Betriebe alarmiert, ist die Richtung. Eine faktische Abschaffung des Minijobs, wie sie im Raum steht, löst kein Problem. Sie schafft neue.
„Viele kleine Betriebe wie Restaurants sind auf Minijobs angewiesen. Höhere Lohnnebenkosten würden Arbeitsplätze gefährden und die Personalkosten erheblich erhöhen.“
So oder ähnlich klingt es in vielen Antworten, die wir zu diesem Thema erhalten haben. Die Sorgen sind konkret. Gerade in Gastronomie, Handel, Pflege und bei Veranstaltungen hängt der Betrieb an flexiblen Kräften für Saisonspitzen, Wochenenden und den Samstag im Laden. Fällt der Minijob als Modell, ohne sinnvolle Alternative weg, fällt oft die Schicht weg. Mehrere Mitglieder nennen ausdrücklich die Gefahr, dass Arbeit in die Schwarzarbeit abwandert, statt in reguläre Beschäftigung.
Ein Punkt kommt in den Antworten immer wieder, und er ist der wichtigste: Zahlreiche Minijobber sind über ihren Hauptberuf längst rentenversichert. Für sie ist der Minijob ein Zuverdienst, Alterslücke. Die Antworten unserer Mitglieder unterscheiden hier sehr genau zwischen dem Minijob als einziger Einnahmequelle und dem Minijob als Ergänzung.
Eine Reform, die diesen Unterschied ignoriert und pauschal abschafft, trifft die Falschen.
Für die Betriebe bedeutet der geplante Weg vor allem eines: Risiko und Unsicherheit. Kalkulationen, die heute aufgehen, gehen morgen nicht mehr auf. Personalplanung wird zum Ratespiel. In einer Zeit, in der ohnehin kaum jemand investiert oder einstellt, ist das ein zusätzliches Bremssignal, das niemand braucht.
Fazit
Die Umfrage zeichnet das Bild einer Unternehmerschaft, die die Zuversicht verliert. Nicht, weil einzelne Betriebe in Not sind, sondern weil kaum noch jemand an eine baldige Wende glaubt. Die Erwartung für Deutschland ist eingebrochen, und mit ihr die Bereitschaft, zu investieren und einzustellen. Wo die Zukunft düster aussieht, wird zurückgehalten.
Klar wird auch, was die Selbständigen anders wollen. Sie wünschen sich Entlastung. Spürbaren Bürokratieabbau statt Ankündigungen und eine Politik, die die Realität kleiner Betriebe kennt. Bei der Landesregierung wächst die Kritik, bei den Kommunen bleibt sie stabil.
Der Unmut ist also nicht diffus, sondern richtet sich an eine bestimmte Adresse.
Und dann ist da das Thema Minijob. Die Antworten zeigen, wie eng viele Betriebe mit diesen Kräften kalkulieren und wie unterschiedlich die Lage ist, je nachdem ob der Minijob ein Zuverdienst neben dem Hauptberuf oder die einzige Beschäftigung ist.
Was die Selbständigen nach eigener Aussage umtreibt, ist nicht das ob der Reform, sondern dass wann und wie.
Grundlage: BDS-Stimmungsbarometer, Halbjahresumfrage 2026 187 Mitgliedsbetriebe nahmen Teil, im Vergleich zur Halbjahresumfrage 2025 (161 Betriebe). Bund der Selbständigen Baden-Württemberg e.V.

