Wenn die „Trumpeten“ schmettern!

Kommentar von Günther Hieber zu Amerikas neuem Präsidenten Donald Trump.

Ja, was war das denn? Da geht jedermann davon aus, dass mit der feierlichen Amtseinsetzung des neuen Präsidenten das Wahlkampfgetöse aufhören würde. Weit gefehlt! Nichts mit staatsmännischer Attitude - stattdessen Wahlkampfrhetorik pur. Entgegen allen diplomatischen Gepflogenheiten spielt Trump wie ein Saloon-Spieler seine Karten aus und alle, die geglaubt hatten, er werde mit dem Aufstieg ins höchste Amt den Abstieg in die diplomatische Ebene einleiten, wundern sich. So unvorhersehbar war das nicht. Trump ist ohne jegliche Regierungserfahrung ins Amt gewählt worden, im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern. Er ist ein „american businessman“ und wer sich die Mühe gemacht hätte, das amerikanische Geschäftsgebaren, das oftmals die Grundstrukturen eines Pokerspiels enthält, zu analysieren, wäre nicht so überrascht worden. Dieses Psychogramm basiert auf einer einfachen Erkenntnis im Poker. Entweder hältst Du dagegen oder Du gehörst zu den „chicken“. Das lässt sich frei ins Deutsche mit „Hasenfüße“ übersetzen. Diese Spielart wird gerne eingesetzt, wenn man nicht sicher ist, ob das eigene Blatt wirklich so gut ist. Aber vielleicht kann man so andere Mitspieler vom Spieltisch vertreiben. Doch nun zum Inhalt der Rede: Ich habe sie komplett durchgelesen. Natürlich strotzt sie vor nationalem Pathos. Sie enthält aber auch Passagen, über die es sich lohnt, nachzudenken.
„Zu lange hat eine kleine Gruppe in der Hauptstadt unseres Landes von der Regierung profitiert und das Volk hat die Kosten getragen. Washington blühte, aber das Volk  hat nichts von dem Reichtum gehabt.“ Hier greift Trump das Ostküsten-Finanzestablishment an, das er für die Auswirkungen der ungezügelten Globalisierung und den Niedergang der amerikanischen Mittelschicht verantwortlich macht. „Politikern ging es gut, aber die Arbeitsplätze wanderten ab und die Fabriken schlossen. Das Establishment schützte sich selbst, aber nicht die Bürger unseres Landes.“ Etwas später: „Eine Fabrik nach der anderen schloss und verließ das Land ohne auch nur einen Gedanken an die amerikanischen Arbeiter zu verschwenden... Der Reichtum unserer Mittelklasse ist von ihr gerissen und in der ganzen Welt verteilt worden... Wir werden zwei einfachen Regeln folgen - amerikanisch kaufen und Amerikaner anheuern.“ Das ist schon eine heftige Ansage und hat nichts mit dem gespreizten diplomatischen Gerede a la Wiener Kongress 1814 zu tun. Konsequent im Handel, kündigt Trump auch die nach seiner Ansicht amerikaschädlichen Freihandelsabkommen. Was bezweckt Trump damit? Sicher, vordergründig will er die amerikanische Wirtschaft stärken, indem er die inländische Produktionskarte spielt. Er kann sich jetzt, da nicht mehr in Abkommen gebunden, seine Handelspartner „portionsweise“ zurecht legen. Den Anfang hat er mit Mexiko gemacht. Gleiches wird er mit den Staaten im asiatischen Raum und mit Europa versuchen. Wenn sich Europa in wirtschafts- und finanzpolitischen Angelegenheiten weiterhin so zögerlich und uneinig zeigt, würde ich seine Chancen, die EU und den Euro zu zerlegen, durchaus als erfolgversprechend bezeichnen. Gerade jetzt, wenn es darauf ankommt, Stärke und Einigkeit zu zeigen, besteht für Europa eine große Chance dagegenhalten zu können, zumal der größte transatlantische Befürworter und europäische Quertreiber soeben den Brexit gewählt hat. „Buy american!“ Die Engländer  haben 1900 mit „made in England“ und Maggie Thatcher mit „buy  british“ zweifachen Schiffbruch erlitten. Auch für Amerika sind die Karten nicht so gut, wie Donald Trump versucht, glauben zu machen. Eine Repatriierung von Arbeitsplätzen setzt voraus, dass es auch genügend Fachkräfte in den USA gibt, woran erhebliche Zweifel bestehen. Ganz nebenbei: Der mexikanische Arbeiter in der Automobilindustrie hat einen Stundenlohn in Mexiko von umgerechnet 5 USD, der amerikanisch Arbeiter liegt bei 35 USD. Was glauben Sie, wie sich die Herstellungskosten für Autos „made in USA“ verteuern werden? Da Autofahren zum amerikanischen Grundverständnis gehört, muss Trump dafür sorgen, dass diese Autos auch für den amerikanischen Arbeiter erschwinglich bleiben. Dies bedeutet, höhere Löhne mit der Konsequenz einer kräftig steigenden Inflationsrate. Nur zur Erinnerung sei erwähnt, dass eine  Rate von zehn Prozent heute als inflationär angesehen wird. Mitte der achtziger Jahre hat sich darüber niemand aufgeregt.

Neben einem höheren Beschäftigungsgrad hat dies noch weitere interessante Auswirkungen:
Der „inflationäre Dollar“ wird schwächer werden, was die Absatzchancen amerikanischer Produkte im Welthandel verbessert. Einer Äußerung des künftigen Finanzministers Steven Mnuchin lässt sich entnehmen, dass dies auch im Interesse Trumps liegt, weil ein zu starker Dollar kurzfristig negative Folgen (für die USA) habe. Der gravierendere Aspekt ist jedoch, dass die amerikanischen Staatsschuldverschreibungen bei einer Inflationsrate von zehn Prozent jährlich nach fünf Jahren nur noch die Hälfte wert sind. Die ist eine elegante Form, sich der horrenden Staatsverschuldung (19 Billionen) teilweise zu entledigen, erst recht, wenn sich diese Titel in ausländischen Portfolios befinden…
Innerhalb der USA ist ein schwacher Dollar kein Problem. Der Abfluss von sog. Petrodollars wird durch einen Anstieg von Bohrlöchern im Frackingverfahren (Anstieg Dezember 2016: 522 - Januar 2017: 556) kompensiert. Das Geld fließt nicht ins Ausland ab, sondern verbleibt im inneramerikanischen Gebiet. Sollte sich diese Absicht der Dollarschwächung unter all dem amerikanischen „ballyhoo“ verbergen, wird dieser Coup als „Donalds Bluff“ in die Geschichte eingehen.
Es gibt eigentlich nur einen Punkt, der einer schnellen Lösung bedarf. Trump sagte, die NATO sei in ihrer jetzigen Form obsolet. Damit meint er, meines Erachtens, nicht die Auflösung des Bündnisses, sondern die aus seiner Sicht ungleichgewichtige Kostenverteilung. Ja, wir haben es uns unter dem Rock der amerikanischen Dame, genannt Liberty, gut eingerichtet und die Kosten zur Aufrechterhaltung der amerikanischen Militärmaschinerie weitestgehend den Amerikanern überlassen. Ich bin sicher, DAS wird Trump ändern, denn hier hat er die besseren, alternativlosen Karten in der Hand. Sollte sich Europa nicht auseinander dividieren lassen, eine konsequente, offene Handelspolitik gegenüber jedermann pflegen, wenn es nicht zu spät ist auch gegenüber Russland, ist mir vor den „Trumpeten“ nicht bang. Auch Amerika kann sich nicht vom Außenhandel zugunsten einer autarken Wirtschaftspolitik verabschieden.

Günther Hieber, Präsident des BDS

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