Ablösesummen für Azubis?

Kolumne des BDS-Landesverbandspräsidenten Günther Hieber

Ein Vorschlag des Handwerkspräsidenten Hans Peter Wollseifer sorgt momentan für ein beträchtliches mediales Echo. Sein Vorschlag: Betriebe, die den fertigen Azubi nach Ablauf seiner Ausbildung abwerben, sollten eine Entschädigung an den Ausbildungsbetrieb zahlen. Dieser Vorschlag erscheint auf den ersten Blick plausibel, investiert doch ein Ausbildungsbetrieb nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung des Bundesinstituts für Berufsausbildung durchschnittlich 5000 € jährlich in seinen Azubi (Ausbildungskosten € 18 000,-- abzüglich € 13 000,-- Erlösanteil aus Arbeitskraft des Azubis). Bei einer 3-jährigen Ausbildungszeit summiert sich dies auf ein stattliches Defizit von € 15 000,--. Aus diesem Grunde befürwortet der Handwerkspräsident eine Kostenerstattungspflicht des übernehmenden Betriebs. Bei allem Verständnis, meines Erachtens ist dies der falsche Weg, diese „Mitnahmeeffekte“ durch finanzielle Hürden zu unterbinden.

Wenn nur die Kosten-/Nutzen-Überlegung vorherrscht, müsste sich jeder Unternehmer sofort aus jeglicher Ausbildung verabschieden. Vielmehr steht doch eine idealistische Vorstellung im Vordergrund. Es ist einerseits die Freude am eigenen, ausgeübten Beruf von dem man an einen jungen interessierten Menschen Wissen, Erfahrung und Begeisterung für einen Beruf weitergeben möchte. Nach unserem gesellschaftlichen Verständnis ist ein Ausbildungsverhältnis aber auch ein Stabilitätsfaktor zum künftigen Erhalt unseres Sozialgefüges. Das oftmals (missbrauchte) Wort von der Nachhaltigkeit zeigt sich hier in einer besonderen Nuancierung. Die Nachhaltigkeit in der Ausbildung ermöglicht es jungen Menschen, ihr künftiges Leben eigenbestimmt und eigenverantwortlich zu gestalten. Damit kann der Staat Sozialleistungen auf wirklich Bedürftige konzentrieren.

Die Ausbildung ermöglicht, gerade im Hinblick auf die Migrationsproblematik, eine Integration in die Mitte unserer Gesellschaft unter Berücksichtigung der verschiedenen Kulturkreise. Eine Ausbildung stellt deshalb einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt unseres Gemeinwesens dar, also eine Leistung, die losgelöst von der Kosten-/Nutzungs-Betrachtung zu würdigen ist. Wenn es aber schon ein wichtiger Beitrag im und für den Staat anzusehen ist, dann ist es abwegig, einen Ausgleich über Transfersummen unter den Betrieben herbeizuführen. Vielmehr sollte der Staat fiskalpolitisch – er gibt ja auch viel Geld für Sozialtransfers aus – die Betriebe honorieren, die Zeit und finanzielle Mittel in die Ausbildung investieren, um deren Defizit auszugleichen.

Dies kann durch z. Bsp. (steuerfreie) Zuschüsse an den Ausbildungsbetrieb erfolgen, um ein Äquivalent (Ausgleich) für den kostentragenden Betrieb zu ermöglichen. In Anbetracht der erwirtschafteten Steuerüberschüsse erzähle mir niemand, dass dafür kein Geld vorhanden sei.

Günther Hieber
Präsident des BDS LV

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