50 zu 50

Kolumne des BDS-Landesverbandspräsidenten Günther Hieber

Es ist die übliche Abgrenzungsfrage zwischen Pessimisten und Optimisten.

Der Pessimist sagt im Hinblick auf die Corona-Problematik: „Die 2. Welle steht uns noch bevor.“ Der Optimist: „Der Höhepunkt der Corona-Krise liegt hinter uns. Es geht nur noch aufwärts. Eine 2. Welle kommt nicht.“ Ein Mathematiker hat es da etwas einfacher. Für ihn sind die Chancen 50 zu 50, und er hat immer recht. Eine gesicherte Erkenntnis ist jedoch, dass nichts sicher ist, solange es keinen Impfstoff gibt. Nur durch einen Impfstoff könnte ein weitestgehender Schutz herbeigeführt werden. Eine weitere Erkenntnis kann jedoch als gesichert gelten: der Glaube, mit Geld lasse sich alles regeln und die Pandemie sei beherrschbar - ist falsch. Eine Pandemie ist mit einer Geldflut nicht eindämmbar. Wir können nur die wirtschaftlichen Folgen abfedern.

Was sind die Konsequenzen ab Mitte September, wenn Schulen, Kindergärten etc. aber auch das Arbeitsleben in den alten Rhythmus zurückfinden sollen?

Mangels eines Impfstoffs werden wir voraussichtlich noch bis Mitte nächsten Jahres unter Beachtung der Hygiene-Vorschriften - wie Abstandsgebot und ggf. Gesichtsmaske - leben müssen. Hieraus resultiert aber auch die bittere Erkenntnis, dass manche Branchen weiterhin unter Ein- und Beschränkungen leben müssen. Wenn die Hygiene-Vorschriften - wie Abstandsgebot und Maskenpflicht - weiter gelten, habe ich größte Bedenken, was Messen, Aussteller, Marktbeschicker, Schausteller, Gastronomie und Hotellerie anbelangt.

Wenn z.B. im Gastronomie-Gewerbe durch das Abstandsgebot eine Platzbeschränkung auf 50 Prozent eintritt, ist eigentlich völlig klar, dass der Unternehmer auf Dauer nur Verluste schreiben kann, wenn eine Kostendeckung erst bei 70 Prozent Platzauslastung eintritt. Dies gilt für alle angesprochenen Branchen mit Abstrichen in gleicher Weise.

Die Entwicklung ist also jetzt schon tendenziell erkennbar. Ich fürchte, wir kommen an Überlegungen zur Weiterführung von branchenspezifischen Kurzarbeiterregelungen und weiteren branchentypischen Kreditunterstützungen nicht vorbei.

Gestatten Sie mir abschließend eine Bemerkung in eigener Sache. Die Corona-Pandemie hat auch die Landesgeschäftsstelle vor neue Aufgaben gestellt. Kontaktbeschränkungen hatten uns verdeutlicht, dass wir verstärkt andere Kanäle eröffnen müssen, wenn der Kontakt zu- und miteinander gewährleistet bleiben soll. Es hat sich ganz schnell gezeigt, dass eine Kurzarbeit der Landesgeschäftsstelle in Anbetracht der sich täglich ändernden Corona-Verordnungen und zur Bearbeitung der Antragsformulare ausgeschlossen ist. Die Mitarbeiter/innen auf der Landesgeschäftsstelle haben sich mit großem Elan diesen Anforderungen gestellt und - ohne jetzt eines Eigenlobs bezichtigt zu werden - mit Bravour bewältigt. Auf diese Leistung bin ich als Präsident sehr stolz. Ich hoffe, dass uns dieser Schwung auch ohne Corona-Druck weiter beflügelt und die neuen Wege der Kommunikation zu einer weiteren engen Zusammenarbeit zwischen Landesverband und Mitgliedern führen.

Bleiben Sie gesund.

Ihr
Günther Hieber, BDS-Landesverbandspräsident / 24. Juli 2020


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