Fragen und Antworten zur Insolvenz

Anne Koark musste mit ihrem Unternehmen Insolvenz anmelden. Über den Umgang mit dem Scheitern und den Neuanfang hat sie ein Buch geschrieben: „Insolvent und trotzdem erfolgreich“. Aus ihrer persönlichen Erfahrung heraus hat sie Fragen von BDS-Mitgliedern rund um das Thema Insolvenz beantwortet.

„Was tue ich gegen inkompetente Insolvenzverwalter?“

Ich musste 2002 Insolvenz anmelden. Da ich zehn Jahre lang Arbeitgeber war, erhalte ich kein Arbeitslosengeld. Sozialhilfe ist mir versagt, weil ich ein Gewerbe - Service im Rechnungswesen und Büroorganisation - angemeldet habe, das aber keinen Gewinn einbringt. Wie geht es weiter?

Wenn Sie ein Gewerbe haben, das keinen Gewinn einbringt, ist es wichtig, mit dem Arbeitsamt zu klären, ob Sie eine Selbständigkeit neben der Beantragung von Arbeitslosengeld II aufbauen können. Ist dies möglich, sollten Sie sich unbedingt bei der Vermarktung helfen lassen. Unterstützung bekommt man etwa durch Business Angels. Die Betrachtung einer Firma von außen kann sehr hilfreich sein, da wir Unternehmer oft so tief in der Materie stecken, dass wir betriebsblind sind.

Sollte dies nicht möglich sein, müssen Sie auch daran denken, dass Sie als Arbeitgeber durch die Abgabe Ihres Arbeitgeberanteiles zur sozialen Absicherung anderer beigetragen haben – oft mehr als die meisten Arbeitnehmer. Wenn es um das nackte Überleben geht, muss man durchaus in den saueren Apfel beißen und Hilfe von Ämtern annehmen. Sie dient lediglich dazu, dass man wieder auf die Füße kommt, versichert ist und genug Kraft sammelt, um durchzustarten.

Nach wie vor ärgern wir uns über die überwältigende Inkompetenz unseres Insolvenzverwalters - und auch über die Reaktion des Gerichtes, auf meine Kritik an der Insolvenzbegründung unseres Insolvenzverwalters. Werden Insolvenzverwalter nicht überwacht – vor allem dahingehend, was sie mit den Geldern der Gläubiger machen, und wann sie die Fälle abschließen können oder sollen?

Mir sind keine besonderen Prüfstellen für Insolvenzverwalter außer den Insolvenzgerichten selbst bekannt. Wie bei allen anderen Berufen gibt es gute und schlechte Insolvenzverwalter. Ob in Ihrem Fall der Insolvenzverwalter pflichtwidrig handelt, können Sie durch einen Anwalt prüfen lassen. Falls ja, könnten Sie dann direkt den Kontakt zum Insolvenzgericht mit einer Auflistung von tatsächlichen Pflichtwidrigkeiten aufnehmen. Wenn das Gericht dann ablehnend reagiert, ist mir persönlich kein weiterer Weg bekannt, bei dem man überprüfen lassen kann, ob der Insolvenzverwalter rechtens handelt oder nicht. Das ist schade, denn als Einzelunternehmer mit einer Regelinsolvenz ist es schwer, rechtliche Hilfe bei solchen Klarstellungen in Anspruch zu nehmen, weil einem das Geld dafür einfach fehlt.

Ich habe beim Amtsgericht die Unterlagen für eine Regelinsolvenz beantragt und auch erhalten. Als ich anfing, die Listen auszufüllen, musste ich feststellen, dass ich nicht mehr alle Unterlagen zur Verfügung hatte. Ich habe die Firmen angeschrieben, um einen aktuellen Schuldenstand inklusive Kosten zu erhalten. Einige reagierten, einige nicht. Mein ehemaliger Vermieter z. B. (ich hatte einen Fünf-Jahresvertrag unterschrieben) nahm einen Nachmieter auf. Der zahlte keine Miete oder nur sporadisch, und nun bekomme ich eine Rechnung über 90.000 Euro Mietschulden.

Dies ist in meinem Fall auch passiert. Bei der Anmeldung der Insolvenz sollten Sie den Insolvenzverwalter auf diese Tatsache hinweisen und ihm auf jeden Fall die Verträge zeigen. In meinem Fall hatte der Insolvenzverwalter ein außerordentliches Kündigungsrecht, und es wurde somit nur ein Teil der Forderung des Vermieters anerkannt. Ob dies in Ihrem Fall auch zutrifft, kann ich als Nicht-Juristin leider nicht beurteilen. Falls Sie die Insolvenz jetzt noch nicht anmelden, ist es wichtig, dass Sie möglichst bald einen Rechtsanwalt aufsuchen, der Ihnen sagt, wie Sie vorgehen müssen.

Ich habe 1996 nach einem Jahr Selbständigkeit die Hälfte eines Juweliergeschäftes gekauft. Es hat sich nicht gerechnet. Nach jahrelangem Kampf musste ich dieses Jahr Insolvenz anmelden. Zwar führe ich den Betrieb fort, allerdings zweifle ich oft, ob alles richtig ist wie ich es mache.

Ich finde es hervorragend, wenn ein Selbständiger zugibt, dass er sich nicht sicher ist. So viele Leute sind der Meinung, alles "selbst" machen zu müssen, wenn oder besser weil sie selbständig sind. Wenn Sie nicht sicher sind, ob es richtig ist, das Geschäft so fortzuführen, wäre es sehr gut, über Ihren Verband um Hilfe zu fragen, und zwar um Hilfe aus verschiedenen Blickrichtungen: Einkauf, Lagerhaltung, Vermarktung und Kostenstruktur. Hier werden Sie den Blick von außen gewinnen, und dann ist es viel leichter, abzuschätzen, ob man so weitermacht oder nicht.

 

"Ist es unmoralisch, wenn der Staat meine Schulden tilgt?"

Nach drei Jahren hartem Kampf um das Überleben meiner Firma muss ich mir nun eingestehen, dass ich Insolvenz anmelden muss. Ich habe gehört, dass die private Altersvorsorge auch gepfändet wird. Da ich 58 Jahre alt bin, wäre dies für mich eine Katastrophe - ich müsste dann zum Sozialamt gehen. Wissen Sie hierüber etwas?

Bei meiner Insolvenz wurde die Altersvorsorge zum Rückkaufswert aufgelöst, und dieser ist in die Insolvenzmasse geflossen. Seit rund zwei Jahren versuche ich darauf aufmerksam zu machen, dass diese Praxis mit erheblichen Kosten für den Staat verbunden ist. Denn den Betroffenen bleibt oft nichts anderes übrig, als zum Sozialamt zu gehen. Zudem ist es schwierig, die verlorene Altersabsicherung in einer Zeit der Pfändungen überhaupt wieder aufzubauen.

Es gibt jedoch Erfreuliches zu berichten: Die Altersvorsorge Selbständiger soll gegen Pfändungsrisiken geschützt werden, um die Rentenvorsorge bei gesetzlich Versicherten im Falle der Insolvenz gleichzustellen. Das Bundeskabinett hat am 10. August diese Gesetzesänderung beschlossen, die auch die Einkünfte von Selbständigen in ähnlichem Maße vor Pfändungen schützen soll wie das bei Arbeitnehmern der Fall ist. In einem ersten Schritt sollen die Lebensund die private Rentenversicherung gegen einen schrankenlosen Pfändungszugriff gesichert werden. Obwohl der Bundesrat dieser Gesetzesänderung nicht zustimmen muss, wird sie erst in der nächsten Legislaturperiode zum Tragen kommen. Damit müsste es eine Frage der Zeit sein, bis die Altersvorsorge von insolventen Unternehmern nicht mehr gepfändet wird - allerdings ist hierzu kein Datum angegeben. Ob Sie mit Ihrer Insolvenzanmeldung "so lange" warten können, müssen Sie unbedingt von einem Rechtsanwalt prüfen lassen.

Ich muss nun leider Insolvenz anmelden. Da ich in meinem Alter erwartungsgemäß keinen Job mehr bekommen werde, stellt sich die Frage, ob ich als Empfänger von Arbeitslosengeld meine Schulden abbezahlen kann? Sollte die Unterstützung über der Pfändungsgrenze liegen, ist es dann nicht unmoralisch, wenn der Staat meine Schulden tilgt?

Diese Frage wird häufig gestellt. Ob man Schulden innerhalb einer Insolvenz mittels Arbeitslosengeld überhaupt tilgen kann, hängt zunächst davon ab, wie hoch der Arbeitslosengeldanspruch ist.

Meine persönliche Sichtweise ist folgende: Der Unternehmer hat in seiner aktiven unternehmerischen Phase nicht nur seine eigenen Beiträge zur Sozialversicherung bezahlt, sondern in erheblichem Maße mit den Arbeitgeberanteilen zum sozialen System und zur Sozialversicherung seiner Mitarbeiter beigetragen. Wenn er nun einen Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, so liegt dies daran, dass er dafür gearbeitet und gezahlt hat. Andere arbeitslose ehemalige Angestellte gehen mit ihrem Arbeitslosengeld auch in Urlaub und dürfen mit dem Arbeitslosengeld kaufen, was sie brauchen und möchten. Es gibt keinerlei Vorgaben, wofür man sein Arbeitslosengeld verwendet. Somit sehe ich es als selbstverständlich an, dass durch eine Pfändung von Arbeitslosengeld eine Schuldentilgung möglich und rechtens ist und diese nicht etwa eine "Finanzierung der Schulden durch den Staat" darstellt. Selbstverständlich soll dies nicht heißen, dass man sich nicht dennoch um eine Beschäftigung bemüht.

Wenn allerdings der Arbeitslosengeldanspruch so niedrig ist, dass er nicht pfändbar ist, kann man nur sein Bestes tun, um eine Beschäftigung zu bekommen oder wieder selbständig tätig zu werden. Mehr geht nicht!

Hier liegt sicherlich das größte Problem, das wir als Unternehmer haben: Wir möchten keine Geldleistungen des Staats in Anspruch nehmen, sondern unternehmerisch tätig sein. Dazu gehört auch, unsere Schulden aus selbst erbrachten Leistungen tilgen. Dafür muss jedoch in Deutschland die zweite Chance für Unternehmer nach einer Insolvenz erleichtert werden - und der Umgang mit dem Scheitern. So könnten Selbständige weitestgehend ohne staatliche Hilfe auskommen und ihre Schulden tilgen. Auch Unternehmer machen Fehler - sie dürfen aber nicht mit Kriminellen gleichgesetzt werden, die eine Insolvenz böswillig herbeigeführt haben.

 

"Bin ich Täter oder Opfer?"

Ich bin seit 40 Jahren selbstständig und stehe kurz vor der Insolvenz. Wie kann man nach einer solch langen Selbstständigkeit wieder auf die Füße kommen?

Nach einer langjährigen Selbstständigkeit ist es nicht zu erwarten, dass man gleich in eine Festanstellung kommt. Auf der anderen Seite gibt es aber viele Geschäftspartner und Kunden, zu denen wir über Jahre hinweg ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis aufgebaut haben - das vergessen wir häufig durch den Druck der Insolvenz. Genau hier steckt die größte Chance, wieder auf die Füße zu kommen. Ich erlebe im Umgang mit vielen Insolventen, wie sehr sie von diesem Kreis geschätzt werden, und wie häufig sich hieraus neue Chancen ergeben, mit denen man nicht gerechnet hat. Etwa eine Einstellung im Betrieb eines Kunden oder Zulieferers oder gar eine interessante Kooperation. Um dies zu begünstigen, ist es aber sinnvoll, mit den Geschäftspartnern offen über die Insolvenz zu sprechen.

Ich bin Gläubiger und meine Schuldner bezahlen nicht. Dieses Geld brauche ich jedoch, um meinen Betrieb am Laufen zu halten. Ohne dieses Geld muss ich wohl Insolvenz anmelden. Bin ich dann Täter oder Opfer?

Vielen Menschen ist nicht klar, wie leicht es ist, durch Nichtzahlungen von Kunden in eine Insolvenz zu rutschen. Wenn wir unsere Forderungen nicht erfüllt sehen, können wir nicht begreifen, wie es jemand moralisch schafft, einfach nicht zu zahlen, während wir das Geld doch für unser Geschäft brauchen. Wir verurteilen den Schuldner sofort als Täter!

Meiner Meinung nach sind die Zahlungsausfälle und ihre Auswirkungen auf andere Unternehmen eine bedeutende Ursache für eine Insolvenz in mittelständischen Unternehmen. Daher ist es zunehmend schwerer, in den Kategorien "Täter" und "Opfer" zu denken. Die Dinge sind häufig anders als sie zu sein scheinen.

Überall stößt man bei einer Insolvenz auf Hemmnisse. Wie geht man damit am besten um?

Es gibt einiges, was sich im Sinne der Gläubiger und auch der Betroffenen ändern muss: Der Aufbau einer neuen Tätigkeit oder Firma ist heute in Deutschland so gut wie unmöglich. Es gibt oft Probleme mit den einfachsten Dingen des Lebens, die etwa automatisch durch einen Schufa-Eintrag ausgelöst werden. Zum Beispiel war es mir alleine nicht möglich, zu einem günstigeren Telefonanbieter zu wechseln. Das musste jemand anderes für mich machen. Als ich während der vorläufigen Insolvenz noch in meiner Firma weitergearbeitet habe, bekam ich keinerlei Gelder für meinen Unterhalt - auch nicht von den Ämtern. Kindergeld zu bekommen, ohne ein Girokonto zu haben, war ein Albtraum (s. Beitrag). Am schlimmsten fand ich die Restriktionen für den Beginn einer neuen beruflichen Tätigkeit und die Riesenlöcher im sozialen Netz. Mir ist dabei aufgefallen, dass es wenig bekannt ist, welche Hemmnisse für den Neuanfang nach einer Insolvenz bestehen. Es ist daher wichtig, dass Organisationen wie der BDS dagegen ankämpfen, etwa mit dem Konzept "Sechs Vorschläge für einen besseren Weg durch die Pleite."

Gibt es einen Erfahrungskreis, mit dem man sich austauschen kann?

Sich auszusprechen, Erfahrungen auszutauschen und Meinungen zu hören sind wichtige Bedürfnisse, die wir alle haben. Aus diesem Grund habe ich den Verein B.I.G. = Bleib im Geschäft e.V. gegründet. Der Austausch mit Betroffenen erlaubt einen Perspektivenwechsel, um Lösungen der anderen Betroffenen zu sehen und zu erfahren, wie und ob sie wieder auf die Füße gekommen sind. Es ist aber entscheidend, dass man erkennt, dass egal wie eine Insolvenz geartet ist, die Ängste und Sorgen bei allen gleich sind. Besonders, wenn es sich um eine Einzelfirma handelt, sind die Verlustängste sehr groß.

Abgesehen von B.I.G. wäre es auch wichtig, über bestehende Netzwerke den Kontakt zu insolventen Menschen im persönlichen und geschäftlichen Umkreis zu suchen, da diese dann vor Ort wären und so direkt helfen könnten. Wir müssen begreifen, dass Insolvenz in der heutigen wirtschaftlichen Schieflage schneller passiert als man früher angenommen hatte. Insolvenz bedeutet ein großes Unglück für viele Familien, und da ist unbedingt Verständnis und persönliche Hilfe angesagt.

 

"Ab wann bin ich wirklich insolvent?"

In meiner Firma läuft es schlecht, ich hatte Auftragseinbrüche. Ab wann bin ich wirklich insolvent?

Wer sich mit dieser Frage beschäftigt, hat vermutlich schon Liquiditätsprobleme. Meine Erfahrung ist: Die Angst vor den Folgen einer möglichen Insolvenz hindert uns daran, sofort zu reagieren. Wenn man rechtzeitig Rat sucht, haben Sanierungsversuche oft eine größere Chance auf Erfolg. Oft kann man eine Firma rechtzeitig schließen, ohne die Folgen der Insolvenz zu erleiden.

Die Frage der Insolvenz hängt von der genauen Situation der Firma und von ihrer Rechtsform ab. Sobald sich bei Ihnen die oben gestellte Frage auftut, rate ich dringend dazu, einen Insolvenzanwalt aufzusuchen und Ihre kompletten Geschäftsunterlagen sichten zu lassen. Er sollte Sie darüber informieren, was man bei Nichtzahlungen von Rechnungen oder bei Zahlungsplänen beachten muss und wann man gesetzlich verpflichtet ist, Insolvenz anzumelden.

Dann rentiert sich es in jedem Fall, einen dritten unbeteiligten Fachmann hinzuzuziehen, der Ihnen bei Kostensenkungen, der Liquiditätsüberprüfung und der Marktanalyse helfen kann. So kann man unter Umständen eine Insolvenz vermeiden.

Bei meiner Einzelfirma war für mich die Insolvenz zu dem Zeitpunkt klar, an dem ich wusste, dass ich wirklich zahlungsunfähig bin. Ich bin mit meinen Nerven am Ende - wie überstehe ich den langwierigen Insolvenzprozess?

Nach der schweren Zeit des Kämpfens gegen eine Insolvenz und die Verlustängste kurz vor der Insolvenzanmeldung kam bei mir kurzfristig das Gefühl des Versagens auf. Ich war müde und abgekämpft.

Dann habe ich überlegt, was mir noch geblieben war: Meine Kinder waren gesund, ich habe meine Ehrlichkeit, meinen Kampfgeist und Humor nicht verloren. Ich war mir sicher, dass ich im Vorfeld zu der Insolvenz und auch während der Insolvenz wirklich mein Bestes gegeben hatte: Ich hatte hart gearbeitet und versucht, die Firma zu retten. Mehr konnte ich nicht tun. Mir kam das Bild meiner Kinder in den Sinn, als sie laufen lernten. Sie sind immer wieder hingefallen - und immer wieder aufgestanden. Daraus kann man auch als Erwachsener viel lernen: Kinder sehen sich nicht als Versager - sie machen weiter und lernen von der Erfahrung ihres Misserfolgs und bauen diese mit ein. Und so werden sie immer besser; bis es mit dem Laufen klappt.

Ich wollte aber auch mein Umfeld aufklären über meinen Misserfolg. Freunde, Geschäftspartner und der BDS, denen ich mitteilte, dass ich insolvent bin, meldeten sich und wollten wissen, wie sie helfen können. Mir hat der Austausch mit anderen Betroffenen ein Gefühl der Stärke und Solidarität gegeben. Die Reaktionen meiner Gläubiger halfen auch weiter, weil sie sich darüber gefreut haben, dass ich mich gemeldet hatte.

Ich lebe in einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt - vor allem unter den Geschäftsleuten. Wie gehe ich mit den Vorurteilen anderer Menschen zu meiner Insolvenz um?

In der Anfangsphase musste ich mich damit auseinandersetzen, dass ich alles - einschließlich des Kampfs gegen die Insolvenz - verloren hatte. Ich war sehr dünnhäutig und die Bemerkungen zu kriminellen Absichten von Insolventen und Andeutungen, ob man sich wohl zu fein gewesen sei, Angestellte zu sein, verletzten mich tief.

Ich überlegte, warum ich im Vorfeld der Insolvenz soviel Angst gehabt hatte und stellte fest, dass sich in meinem Unterbewusstsein - durch Unwissenheit und aufgrund der Kriminalisierung des Themas in der Öffentlichkeit - Vorurteile gebildet hatten. Vorgefertigte Meinungen waren es, die ich von den Menschen zu hören erwartete und wovor ich wirklich Angst hatte. Dann dachte ich mir, wenn ich früher mit der Insolvenz selbst nicht umzugehen wusste, wissen die anderen Menschen es auch nicht. Heute verstehe ich, dass sie nicht wissen, was sie sagen. So kann ich auch verzeihen.

Ich möchte nach der Pleite ein neues Geschäft aufmachen. Inwiefern erlaubt unser Rechtssystem Insolventen überhaupt, wieder auf die Beine zu kommen?
Viele Insolvenzverwalter unterstützen das Wiederaufstehen, vor allem wenn sie erkennen können, dass der Insolvente vertrauenswürdig und ehrlich ist. Dennoch hängt das Aufstehen von dem ab, was man machen möchte und welche neuen Ziele man hat - und was für eine Insolvenz hinter einem liegt. Ist man - wie in meinem Falle - eine Einzelfirma gewesen, ist allein aufgrund des Schufa-Eintrags das Durchstarten mit einer neuen Selbstständigkeit nicht einfach, da man keine Darlehen mehr erhält. Einen Vertrag für neue Lieferantendienstleistungen wird man auch nicht abschließen können, da der Schufa-Eintrag ständig auftaucht. Es gibt auch weitere Hürden, die sich durch die finanziell veränderte Situation ergeben, etwa wenn man einen Dienstwagen benötigt.

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