Ausbilden: Für Betriebe eine Investition, die sich auszahlt!

Betriebe investieren in hohem Umfang in die Ausbildung ihres Fachkräftenachwuchses. Nach den Ergebnissen einer neuen repräsentativen Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zu Kosten und Nutzen der betrieblichen Ausbildung sind die Aufwendungen der Betriebe im Vergleich zur letzten Erhebung 2007 um real etwa 600 Euro pro Auszubildendem und Jahr auf 5.398 Euro gestiegen.

Diese Investitionen zahlen sich aber insbesondere bei Übernahme der Auszubildenden aus, da Personalgewinnungskosten eingespart werden, sich die Abhängigkeit vom externen Arbeitsmarkt reduziert und somit mögliche Ausfallkosten durch Personalengpässe vermieden werden. Über 80 % der Betriebe bestätigen, dass sie ausbilden, um Fachkräfte zu qualifizieren, die langfristig im Unternehmen eingesetzt werden sollen. Die Mehrzahl (59 %) der mehr als 3.000 befragten Ausbildungsbetriebe ist daher nach eigener Aussage „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Ausbildung. Nur 11 % zeigten sich unzufrieden. Die Ergebnisse der BIBB-Befragung sind in der neuen Ausgabe des BIBB REPORT, Heft 1/2015, veröffentlicht.

Gärtnerei-Auszubildende bei der Arbeit im Außenbereich, Foto: Martina Kuhn, Quelle: http://www.bibb.de/pressefotos
Gärtnerei-Auszubildende bei der Arbeit im Außenbereich
Foto: Martina Kuhn, Quelle: www.bibb.de/pressefotos 

Im Ausbildungsjahr 2012/2013 entstanden den Betrieben im Durchschnitt pro Auszubildendem und Jahr Bruttokosten in Höhe von 17.933 Euro. Davon entfielen 11.018 Euro (62 %) auf die Personalkosten der Auszubildenden und 4.125 Euro (23 %) auf die des Ausbildungspersonals. Mit 925 Euro (5 %) schlugen die Anlage- und Sachkosten und mit 1.866 Euro (10 %) sonstige Kosten zu Buche. Hierzu gehören zum Beispiel Kammergebühren oder Kosten für externe Lehrgänge und die Ausbildungsverwaltung.

Die Auszubildenden verursachen jedoch nicht nur Kosten. Sie leisten durch ihre Arbeit einen Beitrag zur Produktion von Waren und Dienstleistungen. Zieht man diese produktiven Leistungen in Höhe von durchschnittlich 12.535 Euro von den Bruttokosten ab, so ergeben sich für das Ausbildungsjahr 2012/2013 für die Betriebe durchschnittliche Nettokosten von 5.398 Euro pro Jahr und Auszubildendem. Etwa 28 % der Auszubildenden erwirtschafteten 2012/2013 Nettoerträge für ihre Ausbildungsbetriebe.

In Ostdeutschland betrugen die Nettokosten durchschnittlich 6.314 Euro, während sie in Westdeutschland bei 5.242 Euro lagen. Aufgrund des unterschiedlichen Niveaus bei Ausbildungsvergütungen, Löhnen und Gehältern fielen sowohl die Bruttokosten als auch die Erträge aus den produktiven Leistungen der Auszubildenden in Westdeutschland höher aus als in Ostdeutschland. Die Differenz bei den Erträgen war allerdings höher als bei den Bruttokosten, so dass sich für Ostdeutschland höhere Nettokosten ergeben. Zwischen den Ausbildungsbereichen gab es ebenfalls starke Unterschiede. Die höchsten Nettokosten fielen im Öffentlichen Dienst (8.032 Euro) sowie in Industrie und Handel (6.146 Euro) an. Im Handwerk (4.390 Euro), den Freien Berufen (3.705 Euro) sowie in der Landwirtschaft (1.293 Euro) waren die Nettokosten deutlich geringer.

Differenziert man nach verschiedenen Berufsgruppen, zeigt sich, dass bei den technischen Berufen (zum Beispiel Industriemechaniker/-in, Fachinformatiker/-in) die höchsten Bruttokosten aufgewendet werden (19.092 Euro). Da hier auch die niedrigsten Erträge (10.153 Euro) erwirtschaftet werden, sind die Nettokosten mit 8.939 Euro am höchsten. In den kaufmännischen Berufen sind die Nettokosten mit 3.522 Euro am geringsten. Den recht hohen Bruttokosten (18.206 Euro) stehen hier die höchsten Erträge gegenüber (14.684 Euro). In den gewerblichen Berufen (zum Beispiel Tischler/-in, Koch/Köchin) liegen die Nettokosten bei 4.257 Euro. Die Bruttokosten betragen 16.116 Euro, die Erträge sind mit 11.859 Euro niedriger als in den kaufmännischen Berufen.

Bei einer Übernahme der Auszubildenden entstehen zusätzliche erhebliche Kosteneinsparungen für die Betriebe. Im Durchschnitt übernahmen die Unternehmen rund 60 % ihrer Auszubildenden. Sie sparen so Personalgewinnungskosten, die anfallen würden, wenn Fachkräfte vom externen Arbeitsmarkt eingestellt werden müssten. Hierfür wendete ein Betrieb laut BIBB-Befragung durchschnittlich 8.715 Euro auf. Außerdem ergeben sich für die Betriebe noch weitere Vorteile, deren Wert sich aber nicht monetär berechnen lässt. So kann der Betrieb zum Beispiel den Auszubildenden, zusätzlich zu den durch die Ausbildungsordnung vorgegebenen Inhalten, bereits in der Ausbildung weitere betriebsspezifische Kenntnisse vermitteln.

Detaillierte Informationen in: BIBB REPORT, Heft 1/2015: „Ausbildung in Deutschland weiterhin investitionsorientiert – Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2012/2013“. Die Ausgabe kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.

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