Landesverbandstag 2012: „Mehr Lebensqualität durch moderne Selbstorganisation“.

Sinn finden, die richtigen Ziele setzen, Prioritäten festlegen, die wichtigen Dinge selbst erledigen, weniger wichtiges Delegieren, so könnte man die Ratschläge zu mehr Lebensqualität durch moderne Selbstorganisation von Michael Knobel beim diesjährigen Landesverbandstag in Herrenberg zusammenfassen.

„Eigentlich wollte ich während des Vortrages heute Morgen noch eine Stunde rüber ins Geschäft gehen um ein paar Rechnungen zu schreiben. Ich wollte mal wieder die Zeit duplizieren,“ bekannte Achim Gack in seinem nachmittäglichen Grußwort zur Generalversammlung beim Landesverbandstag in Herrenberg. Am Vormittag war der Gewerbevereinsvorsitzende der Gastgeberstadt dann doch beim Vortrag von Michael B. Knobel zum Thema „Mehr Lebensqualität durch moderne Selbstorganisation“ dageblieben und ist „sehr froh darüber,“ So empfanden es wohl die meisten Teilnehmer des Mittelstandsforums, die nach zahlreichen mittelstandspolitischen Reden vielleicht eher schon das Mittagessen im Kopf hatten. Das lag zum einen am Referenten, der, selbst Unternehmer und Mitglied im BDS, den Ton der Selbstständigen sehr gut traf. Und es lag an seinem Thema, das in Zeiten von Burnout, Multi-Erreichbarkeit und Terminhetze zunehmend an Bedeutung gewinnt. 

Werde ich gelebt oder lebe ich
Dabei stellt Knobel eines klar: „Burnout hat aus meiner Sicht nicht mit zu viel Arbeit zu tun, sondern mit der falschen Arbeit“. Und damit mit der Sinnhaftigkeit dessen, was wir tun. „Sinn und Sein“ ist die siebte der sieben Dimensionen der Selbstorganisation, die er den Selbstständigen an diesem Vormittag vorstellt. Und doch die erste, die es für jeden Menschen immer wieder zu klären gilt. Denn letzten Endes hilft es nicht, etwas noch so effizient zu erledigen, wenn es für das eigene Leben etwas grundsätzlich Falsches ist, mit dem man sich beschäftigt. Oder wie der römische Philosoph Seneca sagte: „Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige“. Doch so geht es vielen Menschen. „Fragen Sie sich: Werde ich gelebt oder lebe ich. Reagiere ich nur oder gestalte ich,“ fordert der Führungskräfte-Coach die Selbstständigen auf, wohl wissend, dass auch bei den Selbstständigen äußere Einflüsse und Termindruck der Kunden nicht zu unterschätzen sind. 

Mehr Zeit und Wahlfreiheit führt nicht zu mehr Glück
„Modernes Zeitmanagement managed den Umgang mit der Zeit“, erklärt Knobel gleich zu Beginn seines rund einstündigen Vortrages. Und damit den Umgang von Prioritäten im besten Falle in Abhängigkeit von den eigenen Lebenszielen. „Wir haben jeden Morgen genau 1440 Minuten, die wir jeden Tag nutzen können. Das ist genauso viel wie vor zehntausend oder wie vor hundert Jahren und doch ist Knobel überzeugt: „Wir haben heute mehr Zeit wie jede Generation vor uns". Das Lebensalter sei gestiegen („Bis zum Alter der Midlifecrisis sind die Menschen früher gar nicht gekommen“), die Arbeitszeit sinke und die Technik erleichtere uns zeitsparend tausende von Dingen. Das Problem für viele Menschen stelle daher heute das Überangebot dar, das uns zu Entscheidungen zwinge. Oft führe diese große Wahlfreiheit in der heutigen Zeit mehr zu Lähmung statt zu positivem Empfinden und Glück. „Das erklärt aus meiner Sicht auch mit den Erfolg von Aldi und Lidl“, so Knobel. „Statt 20 Zahlpastamarken zur Auswahl gibt es dort nur eine. Das erleichtert das Leben“, begründet der Führungskräfte-Trainer seine Sichtweise. 

Erfolg ist das Erreichen selbst gesteckter Ziele

Die 7 Dimensionen der Selbstorganisation

1. Effizienz
2. Effektivität
3. Potentialanalyse
4. Work-Life-Balance
5. Shared-Life-Balance
6. Zeitmanagement als Charakteraufgabe
7. Sinn und Sein

Trotz gestiegenem Wohlstand, erhöhter Sicherheit, steigender Gesundheit, Vergnügen und Statussymbolen antworteten auf die Frage ob sie glücklich sind nach einer Allensbach-Befragung heute mit 30 Prozent noch genau so viele wie vor 50 Jahren. „Das heißt 70 Prozent der Menschen sind nicht glücklich“, rechnet Knobel vor. Statt mit Effizienz oder Effektivität zu beginnen müsse man daher die sieben Dimensionen der Selbstorganisation und die dahinter stehenden Fragen rückwärts stellen. Also mit der Frage nach dem „Für was“, nach dem Sinn beginnen. „Erfolg ist das Erreichen selbst gesteckter Ziele“, erklärt der Führungskräfte-Coach. Deshalb sei es wichtig, sich für alle Lebensbereiche Ziele zu setzen. „Das Setzen von Zielen ist die unabdingbare Voraussetzung für erfolgreiches Selbst- und Zeitmanagement“. Diese Ziele müssten machbar, messbar und motivierend sein. Erst mit einer Methodik der Umsetzung steige allerdings die umsetzungswahrscheinlich in eine Größe von 60 Prozent. Auch ein Scheitern gehöre dazu. „Nehmen Sie versagen an“ lautet daher einer der 10 Grundsätze. „man wird nie alles erreichen können. 


Ziele und Prioritäten richtig setzen

Michael KnobelUm die wichtigen Ziele zu erreichen gibt Knobel den Unternehmern an diesem Morgen noch eine Selbstmanagement-Matrix nach dem „Eisenhower-Prinzip“ mit auf den Weg. „Fragen Sie sich: Was ist wichtig und bringt mich als meinem Zielen näher? Und was ist dringend und erfordert meine unmittelbare Aufmerksamkeit?“, fordert der die Selbstständigen auf.
Mit diesen beiden Fragen ließen sich alle Wünsche, Anfragen, Termine in eine Vierfeldermatrix ordnen. Was weder wichtig noch dringend ist könne meist in den Papierkorb. Dringende aber unwichtige Dinge sollten wenn möglich delegiert werden. Um wichtige dringende Dinge muss man sich sofort kümmern. Die meiste Arbeitszeit sollten Führungskräfte aber mit den wichtigen Dingen verbringen, die, weil rechtzeitig terminiert, gar nicht erst dringend werden. 
Im Nachhinein war es für Achim Gack die richtige Priorität, bei dem Vortrag dabei zu sein - auch wenn es für das Überleben jeder Firma wichtig ist, irgendwann auch die Rechnungen zu stellen. 

 

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