Joey Kelly - Ein Mann kennt keine Grenzen

„Ausdauer, Ziele, Wille und Leidenschaft ist das was Sie weiterbringt“, fasste Extremsportler Joey Kelly den Inhalt seines Vortrages am Ende zusammen. Humorvoll und mit großer Selbstironie hatte er zuvor die 240 Unternehmerinnen und Unternehmer in der ausgebuchten Filharmonie in Filderstadt beim BDS-Unternehmerabend begeistert.

 „Wir haben gekämpft und daran geglaubt, dass wir eines Tages Erfolg haben und ein Stadion mit fünfzigtausend Menschen füllen“, erzählte Kelly im Rückblick auf die schwierigen Anfangsjahre der Kelly-Family auf der Straße. Diese Einstellung und die vorgelebte Disziplin seines Vaters haben ihn geprägt und prägen ihn bis heute. „Ich arbeite grundsätzlich nicht ohne Ziele“, betonte er am Ende seines Vortrages. Das musste er nach 70 beeindruckenden Minuten, in denen er über die Anfänge der Kelly-Family („Wir wurden in Rom ausgeraubt und haben uns auf die Straße gestellt und gesungen“), deren Erfolge, seine eigenen Anfänge als Ultrasportler („Ich habe mit meiner Schwester Paddy gewettet, dass ich einen Triathlon schaffe“) und über seine sportlichen Höchstleistungen berichtete, nicht mehr betonen. Alle waren beeindruckt von der Lebensgeschichte im Zeitraffer.

Erfolgsprinzip: „Mehr Geben als Nehmen“
Er erzählte von den harten Jahren der Kelly-Family, die ab Mitte der 70er Jahre als Straßenmusiker („An schlechten Tagen hatten wir einen Zuhörer“) durch Europa sowie Nordamerika reiste. Nach dem kommerziellen Durchbruch 1994 mit dem Album „Over the Hump“ folgten Konzerte in großen Hallen und Stadien und in der Bravo waren sie „gefühlt in jeder Ausgabe“. „Meine Eltern hatten den Mut, wir waren jung und hatten nichts zu verlieren“, widmete er den Applaus zu dem filmischen Rückblick seinen Eltern. Und verriet das wichtigstes Erfolgsprinzip seiner Eltern bzw. seines Vaters: „Mehr Geben als Nehmen“.

Ausdauersport als Ausgleich zu 180 Konzerten
Zum Laufsport ist der heute 43-jährige mit 24 durch eine Wette mit seiner Schwester Paddy gekommen. Ohne Training bestritt er seinen ersten Triathlon noch mit sehr bescheidenem Erfolg, fand darüber aber zum Ausdauersport als Ausgleich zu 180 Konzerten im Jahr und der Tätigkeit als Geschäftsführer des mittelständischen Familienunternehmens mit 50 Mitarbeitern. „Schon ein Jahr später habe ich meinen ersten Ironman absolviert. Ich kenne jede Stadt bei Nacht, denn da habe ich trainiert“, berichtete er dem Publikum und blickte zurück auf einige seiner erfolgreichen, aber auch überaus schmerzhaften Wettkämpfe der vergangenen 17 Jahre. Marathonläufe, Triathlonrennen, Radrennen, Ultramarathonläufe, Wüstenläufe. Und verrückte RTL-Spendenmarathons wie dem 24 Stunden-Rennen auf einer entgegenlaufenden Rolltreppe mit Guinness Weltrekord über 50.000 Stufen und 11.700 Höhenmeter. „Schwachsinn“, meint er selbstkritisch dazu, wohl wissend, dass das mit zum Erfolgskonzept als Medienstar gehört. Es gibt kaum eine extreme Herausforderung, der sich Kelly nicht gestellt hat. „Schmerzen gehören zum Ultrasport“, kommentierte er die Filmsequenz, als sein Arzt („Der Mann ist eigentlich Tierarzt“) ihm eine Blase im Fuß aufschneidet. Es gehe immer darum, den inneren Schweinehund zu überwinden. Als Zuhörer spürte man, dass er Lust verspürt, Grenzen zu überwinden – und zwar nicht nur die sportlichen. Zu einem Auftritt der Kelly-Family mit Michael Jackson and Friends kam er auf die Sekunde pünktlich im Hubschrauber noch im Lauftrikot. Zuvor hatte er kurz noch einen Ironman-Wettbewerb (4 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Marathonlauf) absolviert. „Das ganze Leben ist ein Marathon“, gab er dem Publikum mit auf den Weg und übertrug immer wieder seine Erfahrung aus dem Sport auf das private und berufliche Leben. „Man braucht Ausdauer und Ziele, erlebt Tiefen und Höhen, Disziplin, Mut und Leidenschaft als Fundament für Erfolg. Im Sport braucht man genau dasselbe, was man auch im Leben gebrauchen kann“, ist sein Credo.

Zwei Highlights unter vielen Höhepunkten
Sportlich brauchte er diese Eigenschaften auch bei seinen „zwei größten Abenteuern meines Lebens“. Da war zum einem im Jahr 2011 die Expedition zum Südpol gemeinsam mit TV-Moderator Markus Lanz im Wettbewerb gegen ein österreichisches Team um Ex-Skirennläufer Herrmann Maier. 400 Kilometer auf den Spuren von Roald Amundsen und Robert Falcon Scott „am kältesten Ort der Welt“. Das österreichische Team war rund 45 Stunden vor dem deutschen Team am Südpol und doch sieht sich Kelly als Gewinner. „Wir sind zu viert als ganzes Team angekommen“, berichtete er stolz, während die Österreicher zwar schneller, aber nur noch zu Dritt den Südpol erreicht hatten. Von Markus Lanz („Ich dachte nicht, dass er so fit ist“) spricht er in den höchsten Tönen. „Er kam sehr gut vorbereitet, hat sich seine Kräfte gut eingeteilt und brachte zwei wichtige Elemente in die Gruppe mit, die mich schwer beeindruckt haben: Gute Stimmung und Respekt. Gute Stimmung am Südpol, glauben Sie mir, das ist die halbe Miete. Durch Stimmung steigt die Motivation vom Team und das Team schafft Ziele, die man wirklich nicht für möglich hält. Respekt, Stimmung und Leistung führen nicht nur am Südpol zum Erfolg, sondern auch in jedem Betrieb“, erklärt Kelly den Unternehmern.

Zu Fuß von Wilhelmshafen zur Zugspitze

Ohne Team, sondern ganz allein auf sich gestellt war Kelly bei seinem „größten Abenteuer“. Der Deutschland-Lauf im Jahr 2010 führte ihn ohne Geld über 875 Kilometer von Wilhelmshafen bis auf die Zugspitze. Er hatte nur eine Plane für 9,24 Euro aus dem Baumarkt und ernährte sich nur von dem, was die Natur ihm bot. „Das war´s. Mehr geht nicht“, hörte man ihn im Film glücklich und erschöpft („Die letzten drei Tage habe ich gar nichts mehr gegessen“) auf der Zugspitze sagen. Ob wirklich nicht mehr geht? Kelly wäre nicht Kelly, wenn er nicht schon neue Pläne hätte. Nächstes Jahr will er die Deutschlandtour noch einmal wiederholen gemeinsam mit einigen Freiwilligen auf einer neuen Route. Und dann plant er eine Weltumrundung in 80 Tagen analog seiner Tour quer durch Amerika, die ihn 2012 ohne Geld von Los Angeles nach New York führte. Für die Deutschlandtour suche er noch acht bis zehn Mitstreiter, warb er im Publikum. „Eintritt 9,24 Euro“, hat er die Lacher auf seiner Seite. „Es gibt keine Ausreden. Jeder kann eine halbe Stunde früher aufstehen und laufen gehen. Das macht leistungsfähiger. Dann bin ich körperlich gesund und habe eine viel höhere Lebensqualität“, warb Kelly für mehr Aktivität. Mit den richtigen Zielen könne jeder alles erreichen. So wie die Menschen in Baden-Württemberg, von deren Leistung er sich an dem Abend begeistert zeigt. „Die Menschen hier jammern nicht. Was dieses Bundesland schafft ist in Europa vorbildlich. An jeder Ecke gibt es gefühlt einen Hidden Champion. Das ist Wahnsinn“. Wahnsinn, das dachten am Ende des Vortrages auch die Zuhörer, die nach dem Vortrag an den Stehtischen die Gelegenheit nutzen, um das Gehörte miteinander zu diskutieren.


Zur Person
Joey Kelly – das ist ein Star ohne Allüren, eine begeisternde und sympathische Persönlichkeit. Er ist der Pop-Star mit dem längsten Atem. Er finishte 8 Ironman innerhalb von nur 12 Monaten – ein Rekord, den vor ihm noch keiner schaffte. Der Sport veränderte sein Leben und trieb ihn bis heute in die exotischsten Ecken der Welt, um sich den härtesten Ultra-Wettkämpfen zu stellen. Als Sportler hat Weltenbummler Joey Kelly begeisternde Erfolge erzielt. Vom Ultraman auf Hawaii über den Sahara-Wüstenlauf, Badwater Run im Death Valley und Alaska 100-Meilen-Race bis hin zum Bike-Rennen “Race across America”. Sein Motto, seine Lebensphilosophie lautet: „No limits“ – keine Grenzen.

 

Foto Vorschaubild: Thomas Stachelhaus

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