30 Jahre Wohngemeinschaft für Senioren

Vom ambulanten Dienst zum ganzheitlichen Pflegeunternehmen

von Ronja Gysin

„Dass wir heute hier stehen, haben wir unseren allerersten Kunden zu verdanken“, weiß Rosemarie Amos-Ziegler, Geschäftsführerin der WGfS in Filderstadt. Mit 225 Mitarbeitern versorgt das WGfS-Team über 230 Pflegebedürftige stationär in drei Pflegeheimen und einer Demenz-WG oder ambulant in den eigenen vier Wänden.

Dimensionen, die Amos-Ziegler vor 30 Jahren nicht vorschwebten. Im Oktober 1987 gründet die gelernte Krankenschwester einen mobilen Pflegedienst. Sie betreute ein Ehepaar Zuhause. „Meine Kunden hatten große Angst, ins Pflegeheim zu müssen“, erinnert sich die Schwäbin. Damalige Einrichtungen waren anders organisiert als heutige. Pflegeheime hatten Krankenhausatmosphäre, die Bewohner konnten ihren Alltag nicht selbst bestimmen.

Amos-Ziegler hat etwas anderes im Sinn: Eine Wohngemeinschaft, in der Pflegekräfte und Bewohner zusammen den Alltag bestreiten. Ein Ort, wo jeder seine verbliebenen Fähigkeiten einbringen kann und unterstützt wird, wenn er nicht allein zurechtkommt. Kein Heim, sondern ein Zuhause. Amos-Ziegler: „Die Idee ließ mich nicht mehr los, ich musste es einfach versuchen.“

Also kauft die damals 31-Jährige Mutter zweier Kinder 1991 ein Haus  in der Kettemerstraße. Sechs Senioren ziehen ein. Amos-Ziegler und ihre Monika Huss wechseln sich mit der Pflege und Betreuung der Bewohner ab. Auf dem Plan stehen gemeinsames Kochen, Wäsche waschen und zusammenlegen oder Kuchen backen – ganz normale Alltagstätigkeiten eben. Oft sind auch die Kinder der Initiatorin mit von der Partie. Die Wohnsituation ähnelt dem Zusammenleben in einer Familie. „Was heute – besonders in Demenz-WGs – weitverbreitet und erwünscht ist, war damals eine Neuheit“, berichtet Monika, die heute noch immer bei der WGfS tätig ist. Es habe viel Gegenwind von Seiten der Gesetzgeber gegeben,wie ein Heim auszusehen hat.

Doch der Erfolg gibt dem Konzept der Filderstädter Recht. 1995 folgt eine zweite Wohngemeinschaft in der Gartenstraße, die Platz für 16 Pflegebedürftige bietet. Fünf Jahre später zieht die Gruppe ins Casa Medici, wo über 2 Jahre 80 zusätzliche Pflegeplätze entstehen. „Damals waren Bewohner beim Einzug meist noch mobil und weniger pflegebedürftig als heute“, erzählt Heidi Wondratscheck. Mancher habe 15 Jahre bei der WGfS verbracht. Heute sind es im Durchschnitt nur noch drei Jahre. Das liege unter anderem am vom Staat geförderten Ausbau ambulanter Strukturen und daran, daß die Bewohner erst mit einem viel höheren Pflegeaufwand in ein Pflegeheim einziehen.

„Gleichzeitig steigt der Anteil demenziell erkrankter Bewohner“, so Amos-Ziegler, die 2004 die erste von den Kassen genehmigte Demenz-Station eröffnete. Deren Betreuung stellt die Branche vor eine Herausforderung. „Sie brauchen mehr Aufmerksamkeit und andere Strukturen“, erklärt die Expertin. Das beginne beim Umgang mit Angstzuständen und setze sich beim verändern Tag-Nacht-Rhythmus der Erkrankten fort. Um einer breiten Öffentlichkeit die Lebenswelt von Menschen mit Demenz näher zu bringen und um Akzeptanz und Mithilfe zu werben, engagieren sich die WGfS mit 16 anderen lokalen Unternehmen seit 3 Jahren im Netzwerk-Demenz.

Als 2006 Haus Albblick in Filderstadt Harthausen und sieben Jahre später die Demenz-Wohngruppe in Leinfelden-Echterdingen eröffnet, floriert das Unternehmen. Den Hauptgrund dafür sieht Amos-Ziegler in der engagierten Belegschaft: „Gesundheit und Energie des Personals sind unsere wichtigsten Ressourcen“, weiß die heute 57-Jährige. Um diese zu bewahren investieren die Schwaben jährlich 477.000 Euro in Gesundheits- und Weiterbildungsmaßnahmen. „Das ist unsere Antwort auf den drohenden Pflegenotstand“, sagt die Gründerin. Denn zufriedene, qualifizierte Mitarbeiter sorgen für ganzheitliche Qualität für die Bewohner – heute und in Zukunft.


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