Ein Blick ins Mittelalter und in die Zukunft

BDS-Mitgliederreise nach Tallinn, Estland, vom 04.08. bis 07.08.2017. Ein Bericht von Ursula Hecht

Nach den wunderschönen und interessanten Reisen 2015 zur Expo nach Mailand und an den Comer See und 2016 nach Toulouse und Umgebung lud der BDS Baden-Württemberg dies Jahr zu einer Reise nach Estland ein.

Knapp 20 Teilnehmer, die meisten davon bereits zum 3. Mal dabei – trafen sich frühmorgens in Stuttgart und über Frankfurt ging der Flug nach Tallinn, der Hauptstadt Estlands. Unsere sympathische Reiseführerin Margit holte uns am Flughafen ab und brachte uns zuerst einmal in die Altstadt im rotermann-Quartier in ein typisches Lokal in alten Räumen, aber topchic eingerichtet. Dies Nebeneinander von alt und topneu haben wir oft entdeckt.

Und wir haben in den folgenden Tagen festgestellt, dass das Tempo, in dem sich Tallinn entwickelt, einen manchmal erstaunen lässt. Lokale schießen aus dem Boden, Brachlandschaften werden zu modernen Wohnvierteln und das Straßennetz ächzt unter dem wachsenden Verkehrsaufkommen. Die Stadt verbindet den Charme der gemütlichen Provinz mit der Dynamik einer Weltmetropole.

Diese Erfahrung machten wir unmittelbar nach dem Mittagessen, denn wir besuchten den E-Estonia Showroom, dort stellt die estnische Regierung die Digitalisierung ihres Landes vor. Estland hat den Zugang zum Internet als ein Grundrecht erklärt, verfügt über eine florierende IT-Start-up-Kultur und hat für alle Bürger und Unternehmen die Leistungen der öffentlichen Hand in digitaler Form optimiert. Auch unsere Bundeskanzlerin war im Frühjahr hier und war begeistert. Hier hinkt Deutschland weit hinter Estland her!

Unser Hotel, das Solo Sokos Estoril, war ein bekanntes Stasi-Hotel, und es heisst, dass dort mehr Spione als reguläre Besucher übernachteten, alles war verwanzt und eine Etage dient heute als Museum jener Zeit. Aber wir konnten den Komfort sorglos geniessen und da es direkt an der Altstadt lag, war es ideal für individuelle Erkundigungen.

Im mittelalterlichen Restaurant Peppersack, direkt neben dem 600 Jahre altem Rathaus, gab es regionale Delikatessen und den guten Tallinn Likör, von dem auf der Heimreise wohl jeder eine Flasche im Koffer hatte.

Der nächste Tag, ein Samstag, führte uns in die Vergangenheit, denn Tallinn besitzt die am besten erhaltendste mittelalterliche Altstadt des Baltikums. Wir stiegen auf den bekannten Wehrturm „Langer Hermann“, der Teil der Schlossanlage auf dem Domberg ist, und genossen nach 215 Stufen einen herrlichen Blick zur Ostsee und dem Hafen, hier lagen die Kreuzfahrtschiffe am Kai, dann über die Altstadt, welche UNESCO-Weltkulturerbe ist, mit ihrer Stadtmauer und den alten Kirchen. Wir sprangen wieder in die Gegenwart, denn wir waren vom Abgeordneten für europäische Angelegenheiten in das estnische Parlament, welches seinen Sitz im Schloss hat, eingeladen. Es gab eine lebhafte Diskussion über die Entwicklung seit der Zeit der ehemaligen Sowjetrepublik bis zum heutigen Verhältnis des Baltikums zur EU. Die BDS Reiseteilnehmer sind also politisch und kulturell immer bestens unterrichtet!

Der 3. Tag führt uns in eine ganz andere Welt. Das 14. Jahrhundert verzauberte uns mit einem eindrucksvollen Kloster und einem köstlichen Sekt im gegenüberliegenden Gutshof Padise, ausgebaut zu einem Exklusivhotel. Die Gegenwart konfrontierte uns auf der Halbinsel Paldiski mit dem Militärstützpunkt und dem Blick vom Pakri Leuchtturm auf die Stadt, die ehemals das grösste Ausbildungszentrum der Atom U-Bootfahrer der Sowjetunion war. Zurück in das 16. Jahrhundert zum Schloss Fall, estnisch Keila Joos bei Reval, später im Besitz des Alexander von Benckendorff, der am Zarenhof unter Nikolais I. Karriere machte. In dem wunderschönen Schloss speisten wir köstlich und fühlten uns ganz leicht geadelt.

Die Fahrt durch ganz Estland in den Süden ging dann sehr erlebnisreich weiter, wir lernten die Sommerurlaubsziele in Pärnu kennen und eine windige Wanderung entlang des Ostseestrandes zeigt uns, dass auch hier schon gesurft und gekitet wird und die Jugend der Welt gemeinsame Interessen hat.

Den Abschluss bildete ein Besuch des ASB Torfwerkes, das nun vom Sohn des Firmengründers Helmut Aurenz, Honorarkonsul v. Estland, geleitet wird. Eindrucksvoll die unendliche Weite der Torfmoore, eindrucksvoll die riesigen Abbauanlagen auch die bemerkenswerte schonende Abbaumethode und die Verarbeitung zu den verschiedenen Kompostmischungen. Eindrucksvoll und natürlich ganz besonders das tolle Buffet und Ambiente im Aurenzholzhaus.

Ein langer wunderschöner Tag ging zu Ende, spät nach langer Fahrt und müde und sehr beeindruckt und trotzdem genossen wir aber doch noch die Drinks an der Bar.

Der letzte Tag war auch wieder bestens von unserem Reisebüro Karawane, Ludwigsburg vorbereitet.

Denn in Tallinn wartete noch ein unbedingtes Highlight auf uns. Das einzigartige Meeresmuseum „Seaplane- Harbour“, ursprünglich errichtet als Teil der Seefestung von Peter dem Großen. Die Wasserflughangars wurden 1916-1917 gebaut und unsere Männer verschwanden in den U-Booten, in dem grössten erhaltenen Dampfeisbrecher der Welt und die Zeit war hier zu kurz. Denn wir waren noch im High-Tec Center der Tuttlinger Firma Karl Storz angemeldet, die seit 2 Jahren in Tallin einen ultramodernen Neubau errichtet hat und hier medizinische Geräte für die Endoskopie herstellt. Bei der Führung konnten wir die Tests selbst durchführen – natürlich an künstlichen Figuren.

Wir blieben nun in der Gegenwart und waren eingeladen beim deutschen Botschafter Herrn Christoph Eichhorn, der uns einen Einblick in die aktuelle politische Beziehungslage EU gab.

Betroffen waren wir von der Information, dass russische Flugzeuge ohne Transponder grenznah zu und über Estland fliegen und immer noch oder wieder eine Gefahr darstellen.

Seine Aussage: Estland Never Alone Again! und sein Wunsch nach Joint Venture mit deutscher Industrie verbunden mit einem Status: Cultural fit, das heißt man passt wirtschaftlich zueinander, geben Hoffnung  auf eine gute Zukunft und hierfür Partner zu finden, wird der Botschafter unterstützen.

Walter Steinmeier war dann nach uns der nächste Gast und so sind wir doch in bester Gesellschaft und dankten dem Botschafter für seine wirklich offenen Worte.

Ja, und dann ging es zum Flughafen und spät nachts war dann wohl jeder zu Hause.

Diese Reise war höchst interessant, vollgepackt mit Vergangenheit und Zukunft. Mit herrlicher Landschaft und Stadtbildern, mit vielen Gesprächen untereinander und mit der Freude schon auf die kommende 4. Reise im August 2018 nach Bilbao. Ich hoffe es sind alle wieder dabei und dazu noch viele nun doch neugierig gewordene.

Dank aber an Herrn de Riz für seine fürsorgliche Reiseleitung und beste Organisation – wir freuen uns wieder auf Sie in Bilbao am 2. bis 5. August 2018.

Weitere Informationen:

BDS-Mitgliederreise nach Bilbao, Spanien, vom 2. bis 5. August 2018.
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