Bulgarien – wir entdecken das neue Europa – Wirtschaft – Kultur – Geschichte – Information

von UH

Ob unsere diesjährige Sonderreise stattfinden würde – war bis kurz vor Start eine offene Frage.  Umso mehr haben wir uns mit 20 Teilnehmern gefreut und um es vorweg zu nehmen – alles hat bestens geklappt. Wir konnten dem örtlichen Reiseführer, Busfahrer, den Museumsdirektoren und auch den Hotels eine große Freude mit unserem Besuch machen – denn seit März waren wir die erste Gruppe.

Doch der Reihe nach:

Einstimmig hatten wir beim Treff im Januar beschlossen, die Reise um 1 Tag zu verlängern – so waren wir von Mittwoch 5.8. bis Sonntag 9.8. auf Tour und unser Reisebüro Karawane hatte wieder ein prall gefülltes Programm vorbereitet.

Über Wien ging es nach Sofia, wo wir das 1. Mal von einer männlichen Reiseleitung begrüßt wurden und Lubu – so sein Kurzname - hat uns immer wortgewaltig und sehr kompetent geführt.

Zu Beginn jeder Reise steht das Meeting mit der Botschafter der BRD, so trafen wir uns gleich nach Ankunft im Hotel Coop im 13. Stock mit Hubertus Klink, Botschaftsrat und Leiter des Wirtschaftsdienstes. Diese Gespräche dienen dem BDS zum Verständnis des Landes und der wirtschaftlichen Situation. IT-Software, Automotivbereich und Touristik sind die Umsatzträger, immerhin gibt es 5.000 deutsche Betriebe welche die fleißigen Arbeiter und den Steuervorteil nutzen und der Botschaftsrat betonte auch, dass der Beitritt zur EU und die Fördermittel das Land enorm nach vorn gebracht haben.

Eine kulinarische Begegnung in einem Waldrestaurant  mit Folkloremusik und Tanz ließ den Abend gemütlich ausklingen wobei später unser Roland Lorenz natürlich noch eine Bierkneipe entdeckte, die am nächsten Abend nochmals das Ziel für einige war.

Am Donnerstag, 2. Tag führte uns der Stadtrundgang durch Sofia vorbei an Denkmälern, die an die Kämpfer und Sieger aus den grausamen Balkankriegen erinnerten. In der prachtvollen orthodoxen Alexander Newski Kathedrale hörten wir zu Ehren des Feiertages „Der Verklärung Christi“ die schwermütigen und beeindruckenden Gesänge und kamen hier auch zur Besinnung.

Viele Gebäude sind Zeugen einer langen geschichtlichen Vergangenheit, an die Entstehung des Urvolkes der Thraker, an die Osmanen, die Griechen und Römer. Eine Kette mit Goldgliedern über 7000 Jahr alt und die goldenen Schmuckstücke  der Grabbeilagen und Trinkgefäße der Thraker 4. JH. v. Chr. mit fast 6 kg reinem Gold – einfach atemberaubend!  Und zu kurz war die Zeit im Nationalhistorischen Museum, das uns tief in die Geschichte und in das Kunsthandwerk des Landes einführte.

Am 3. Tag, Freitag hieß es früh aufstehen, denn ein umfassendes Programm und lange Reisezeiten standen an. Wir fuhren in das historische Städtchen Koprivstitsa in über 1000 m Höhe und hier entdeckten wir die Holzschnitzereien im französischen Stil an den Häusern der reichen Händler mit prachtvoller Innenausstattung. Kein Wunder, betrieb man Handel bis nach Alexandria und Istanbul. Die Romantik vergangener Zeiten und die sogenannte Wiedergeburtsarchitektur wird hier konserviert. Hier begann auch die Revolution 1873 gegen die Osmanen und als nationaler Volksheld gilt  Wassil Levski. Die Geschichte Bulgariens in die Unabhängigkeit ist komplex, Bismark und der Berliner Kongress, der hessische adlige Alexander von Battenberg, Neffe von Zar Alexander dem Großen und Ferdinand I. aus der Dynastie Sachsen –Coburg-Gotha, die folgenden grausamen Balkankriege sind Punkte der wechselvollen und komplizierten Geschichte.

Weiter fuhren wir in das Tal der Rosen in Skobelevo, wo wir eine private Rosenöldestillation besichtigten, die Rose Damascena wurde aus Syrien eingeführt und 3000 kg  Blätter von 1 ha Land ergeben 1 l des kostbaren Rosenöls. Die Blütenernte begrenzt sich auf Mai und Juni, 8 Jahre lang liefert diese Rose Blätter. Der kostbare Stoff durchläuft in nur 3 Stunden den Prozess und 8 Zyklen sind es pro Tag. Ein großer Reichtum des Anwesens zeugt von der Wirtschaftlichkeit. 70 Destillationen haben sich hier angesiedelt und ein unglaublicher Rosenduft umgibt uns und raubt uns manchen Betrag, denn im Shop gibt es natürlich verführerische Rosenprodukte. Und auch die Bürodamen von Otmar de Riz dürften sich gefreut haben?

Auf den langen Fahrtstrecken informierte uns Lubu über die nähere Vergangenheit Bulgariens, das bis 1944 ein Agrarstaat zur Selbstversorgung war und dann die kommunistische Partei die Bauern in die LPG verpflichtete. Die folgende Landflucht in die Städte mit Aufbau der Schwerindustrie ließ die Wohnghettos mit aller Problematik entstehen. Der heutige durchschnittliche Monatslohn sei 450 €, wovon 2E für pauschale Arztkosten und für Arzneimittel nur bis 10% von der Krankenkasse übernommen würden. Wundert es dass die Bulgaren lieber im Nachbarland leben?

Nächstes erfreuliches Ziel war die Weinprobe in Starosel und der sympathische junge Mann wollte uns detailliert sein Wissen über Wein nahebringen und konnte nur erklären dass Geschmack, Aroma, Farbe und Nachgeschmack zu den 4 Charakteristiken des Weines gehören- doch wurde er von Ralf Sigmund überzeugt, dass wir alle in der Truppe beste Weinkenner sind. So genossen wir einfach die Sorten Millesum, Mavrud und Sauvignon – sehr lecker aber typisch für den dortigen Ausbau und schon von den Thrakern angebaut. Und selbst Homer lobte schon diesen süßen Rebensaft!

Dieser Aktionstag endete in Plodiv, Kulturhauptstadt 2019, gegründet von Philipp II, Vater von Alexander dem Großen. Römische Ausgrabungen direkt vor unserem Grandhotel, Straßen, das Amphitheater überall in Plodiv geben davon Zeugnis. Ein herrlich warmer Abend lädt uns alle zum Bummeln in die Altstadt ein und lässt und die Atmosphäre dieser wunderschönen Stadt spüren.

Samstag, 4. Tag: Den wichtigen Gedanken zu Europa entdecke ich am großen rosa verputzten Lamartine Haus, benannt nach diesem  französischen Politiker. Anlässlich seines Staatsbesuches 2009 in Plodiv sagte Francois Mitterand: „Avec l’autre L’Europe  j’ai le sentiment que les portes du siècle prochain s’ouvriront sur un air de liberté qui passera par les portes, par les fenétres.“ Das soll meinen: der Wind der Freiheit Europas wird die Fenster und Türen öffnen….

In diese Stadt möchte man gern einmal wiederherkommen aber ebenso gern auch in das umgebende Gebirge, in das wir weiterfahren.

Das Rhodopen- und Rilagebirge hat Berge bis 3000 m Höhe und auf dem Weg nach Bansk stoppen wir spontan auf einem typischen Bauernmarkt an der Straße und jeder hat irgendetwas gekauft und seien es nur Bohnen oder Gewürze. Bansk als emporstrebenden Winterkurort durchwandern wir – gut dass jetzt keine Saison ist – und nach allen dortigen historischen Gebäuden und unentwegten Erklärungen unseres Reiseführers Lubu sind wir froh endlich im Spa Hotel in Bansk zu landen.

Am Sonntag, 5. Tag geht es wieder früh weiter, in das Rilagebirge zum höchst gelegenen Rilakloster, Weltkulturerbe, von ehemals 400 Mönchen leben hier noch 15. Das Kircheninnere ist eine Symphonie aus Gold und an der Außenwand sind wir beeindruckt von der bildhaften Sprache über die Sünden und die Erwartung in der Hölle - da lassen wir uns doch lieber die köstlichen frischen Hefeteile und einen guten Kaffee schmecken.

Anschließend fuhren wir zurück nach Sofia und genossen dort noch im Restaurant Hadjidraganovite Kashti – was die Häuser des Kashti bedeutet – das wahrhaft leckere Mittagessen mit Bohnensuppe, Forelle, köstlichem Salat und bulgarischen Früchtejoghurt.

Pünktlich landeten wir abends wieder in Stuttgart und der Tenor dieser Reise war äusserst positiv.
Ja und natürlich wurde schon der Termin und das Ziel ( Überraschung ! ) für die Reise 2021 bestimmt und der Nachtreff wieder bei Familie Bauer in Deizisau sein, worauf wir uns jetzt schon  freuen.

Super an unseren BDS-Reisen ist, dass wir eine Gruppe bilden, die sich kennt, bestens versteht und auch gern neue Teilnehmer wie Familie Melzer begrüsst.

Über diese ereignisreiche Reise gibt es noch viel zu berichten, die Bilder sollen die Eindrücke vertiefen.

Dank an die Reiseleitung Otmar de Riz und Ralf Siegmund und an Vize Günter Hecht, der in den Ansprachen den BDS repräsentierte. Dank an das Reisebüro Karawane für die vorbildliche Vorbereitung. Corona war durch die vorbildlichen Schutzmaßnahmen aller Hotels und Institutionen während der Reise gut zurückgedrängt.

Dank auch an die 20 Teilnehmer, die alle alles super mitmachten und untereinander prächtig „netzwerkten“.


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