Kachelofengespräch

Anlässlich des traditionellen Kachelofengespräches haben sich EU-Kommissar Günther Oettinger, Kultusministerin und Präsidentin der Kultusministerkonferenz 2017 Dr. Susanne Eisenmann und BDS-Präsident Günther Hieber getroffen. Dabei konnte BDS-Präsident Hieber in lockerer Atmosphäre Ende Oktober 2017 in Stuttgart die beiden Politiker persönlich sprechen und befragen.

Beim Kachelofengespräch handelt es sich um eine traditionelle und gemütliche Gesprächsrunde – meist zweimal  im Jahr – zwischen EU Kommissar Günther Oettinger, Dr. Susanne Eisenmann,  BDS-Präsident Günther Hieber und unterschiedlichen Teilnehmern. Gemeinsam werden dann verschiedene Aspekte des aktuellen politischen Geschehens erörtert.

Im Gespräch mit Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann, Präsidentin der Kultusministerkonferenz 2017, hat BDS-Präsident Günther Hieber folgende Fragen gestellt:

1.    BDS-Präsident Hieber: Wie möchten Sie zukünftig das Berufsschulwesen und diesbezüglich die berufliche Ausbildung stärken und fördern, um einer wachsenden Akademisierung im Berufsleben entgegenzuwirken?

Kultusministerin Dr. Eisenmann: Das Thema muss dringend wieder ins Bewusstsein unserer Gesellschaft gerückt werden. Das Gleichgewicht zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung ist nicht mehr vorhanden. Ich habe in Abstimmung mit den anderen Ländern deshalb bewusst die berufliche Bildung als Schwerpunkt meiner KMK-Präsidentschaft gewählt. Wir müssen schon in der Schule klar machen, dass auch eine Ausbildung im dualen System zu einer vielversprechenden Karriere führen kann. Dazu haben wir die berufliche Orientierung als Leitperspektive in unserem Bildungsplan verankert und das Schulfach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ eingeführt. Die Schülerinnen und Schüler werden angeregt, sich gezielt und rechtzeitig mit ihrem Übergang in eine Berufsausbildung oder ein Studium auseinanderzusetzen. Beide Wege müssen präsent sein. Es geht nicht darum, junge Menschen von Abitur oder Studium abzuhalten, aber sie sollten diese Entscheidung bewusst treffen. Das allein reicht aber nicht aus: Die Stärkung der beruflichen Bildung ist eine Gemeinschaftsaufgabe für Politik, Schulen, Eltern und Unternehmen. Bildungspartnerschaften mit Unternehmen, der Industrie- und Handelskammer geben ebenfalls wichtige Impulse.

2.    BDS-Präsident Hieber: Sind neben dem Meister-BAföG weitere Förderungsmöglichkeiten für die berufliche Weiterbildung vom Gesellen zum Meister geplant?

Kultusministerin Dr. Eisenmann: Bei der „Weiterbildung vom Gesellen zum Meister“ handelt es sich um eine berufliche Aufstiegsfortbildung. Die einzige Fördermöglichkeit hierfür bietet das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG), ein Bundesgesetz, das früher auch Meister-BAföG genannt wurde und jetzt als Aufstiegs-BAföG bezeichnet wird. Andere Bundesländer kennen für erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen einer Aufstiegsfortbildung zum Teil auch zusätzliche Förderleistungen, so bspw. der „Meister-Bonus“ in Bayern. Eine solche Zusatzförderung gibt es in Baden-Württemberg nicht und ist aktuell auch nicht geplant.

3.    BDS-Präsident Hieber: Auf europäischer Ebene wird versucht, die deutschen Standards der Meisterbriefe zu unterlaufen oder zu verwässern.
a)   
Hat der deutsche Meisterbrief in Europa eine Zukunft?

Kultusministerin Dr. Eisenmann: Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit in manchen Regionen der EU (wohlgemerkt nicht bei uns) ist es notwendig, eine hochwertige und nachhaltige Berufsausbildung voranzubringen. Die duale Ausbildung in Deutschland nimmt dabei eine Modellfunktion ein. Die Meisterqualifikation ist ein zentraler Bestandteil der dualen Ausbildung und wesentlich für ihre Qualität und Attraktivität verantwortlich. Die Frage ist, wie die Vorteile der dualen Ausbildung zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa genutzt werden können. Eine EU-weite Einführung des Meisterbriefs sehe ich dabei nicht, dafür sind die einzelnen Mitgliedstaaten zuständig. Allerdings hat die EU Kommission einen Qualitätsrahmen mit 14 Schlüsselkriterien ausgearbeitet, der ganz klar definiert, wie die Qualität und Wirksamkeit von Berufsausbildungen aussehen müssen. In Deutschland werden diese Qualitätskriterien zu großen Teilen bereits umgesetzt.

b)    BDS-Präsident Hieber: Wird in Deutschland beabsichtigt, die hohen beruflichen Standards zur Angleichung an europäische Vorstellungen abzusenken?

Kultusministerin Dr. Eisenmann: Nein, ganz im Gegenteil: Einige Mitgliedstaaten müssten ihre Standards erhöhen, aber niemand muss oder soll das bestehende Niveau absenken. Wir sprechen hier von Mindeststandards. Deutschland hat kein Interesse an einer Angleichung nach unten. Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Qualität unserer Berufsausbildung weiter steigern und sie vor allem noch attraktiver machen.

4.    BDS-Präsident Hieber: Seit diesem Schuljahr gibt es das selbständige Schulfach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“. Was erhoffen Sie sich von dem neuen Schulfach? Wäre nicht eine Einbettung der Thematik in den Gemeinschafskunde-Unterricht sinnvoller gewesen?

Kultusministerin Dr. Eisenmann:
Das Schulfach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung legt den Fokus auf die eigene Berufswahl. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich zunächst über ihre eigenen Interessen und Begabungen klar werden. Parallel dazu werden ihnen Karriereperspektiven aufgezeigt, die sowohl mit einem Studium als auch mit einer Berufsausbildung verbunden sind. Falsche Vorstellungen von der Berufswelt oder den eigenen Fähigkeiten sind oft Gründe für Ausbildungs- oder Studienabbrüche. Das wollen wir vermeiden. Die berufliche Orientierung ist in verschiedenen Fächern Thema – um ihren Stellenwert aber zu verdeutlichen, ist ein eigenes Fach sicherlich von Vorteil. Außerdem erhalten die Jugendlichen im Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung Einblick in wirtschaftliche Zusammenhänge im Sinne einer ökonomischen Allgemeinbildung, die unabhängig vom späteren Berufsweg von großem Nutzen ist.

5.    BDS-Präsident Hieber: Noch immer haben viele junge Leute keine Lust auf den Chefposten oder die Selbständigkeit. Wie möchten Sie ihnen Mut zu unternehmerischer Verantwortung machen?

Kultusministerin Dr. Eisenmann:
Auch dort können wir mit dem Fach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung ansetzen: Die Jugendlichen lernen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen und die Interessen anderer zu beachten. Abgesehen davon bietet das schulische Umfeld viele Möglichkeiten, sich aktiv in das Schulleben einzubringen und früh Verantwortung zu übernehmen – sei es in der Schülermitverantwortung oder als Schülermentoren. Ich kann die Schülerinnen und Schüler nur ermutigen, solche Chancen zu nutzen. Das stärkt das Selbstbewusstsein und die Jugendlichen trauen sich auch später im Berufsleben mehr zu.

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